AnKerzentrum in Stephansposching bei Plattling // Bild: imago/Overstreet

Zwischenbilanz: Ein Jahr Ankerzentren

Gepostet am 01.08.2019 um 16:26 Uhr

Zehn Ankerzentren in drei Bundesländern gibt es bisher. Und ordnungspolitisch gibt es durchaus Erfolge zu verzeichnen. Der Preis dafür ist allerdings hoch, kommentiert Uli Hauck.

Bundesweit 40 Ankerzentren wollte Horst Seehofer, gerade einmal zehn Einrichtungen in drei Bundesländern sind es bislang geworden. Das Konzept hat sich also nicht flächendeckend durchgesetzt, obwohl es durchaus einen Vorteil hat: Die Asylverfahren konnten deutlich beschleunigt werden.

Im Durchschnitt dauern sie – nach Ministeriumsangaben – nur noch knapp zwei Monate. Denn Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundesagentur für Arbeit, Jugendamt, Justiz- und Ausländerbehörden – alles ist in den Ankerzentren an einem Ort. Die Unionsinnenminister in Bayern, Sachsen und dem Saarland sind deshalb mit dem Konzept zufrieden.

Der hohe Preis der Menschlichkeit

Ein Kernproblem bleiben aber das E und das R in Ankerzentren. Denn nach einer negativen Entscheidung sollte eigentlich auch eine schnellere Rückführung folgen. Doch die bleibt schwierig. Denn es gibt viele Fälle, in denen nicht schnell über einen Asylantrag entschieden werden kann, weil die Antragsteller ihr Recht wahrnehmen und gegen einen Ablehnungsbescheid klagen. Und dann auch oft Recht bekommen – denn beschleunigte Asylverfahren können auch zu mehr Fehlern führen. Und während dieser Verfahren müssen die Asylbewerber in einer Massenunterkunft monatelang sitzen, oft ohne sinnvolle Beschäftigung oder Arbeitsmöglichkeit.

Perspektivlosigkeit, Ärger und Aggression sind vorprogrammiert. Integration wird bewusst auf die lange Bank geschoben.
Ordnungspolitisch sind die Ankerzentren richtig: Denn der Staat zeigt sich handlungsfähig und hat seine bürokratischen Asylverfahren optimiert. Allerdings oft um den hohen Preis der Menschlichkeit.

Zuletzt aktualisiert: 07.12.2019, 07:42:02