Zwischen Merkel und Putin liegen Welten

Gepostet am 20.08.2018 um 11:52 Uhr

Auf Schloss Meseberg haben sich Angela Merkel und Wladimir Putin zu einem Arbeitstreffen getroffen. Sie reden miteinander – doch auch oft aneinander vorbei. Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner.

Pragmatisch sind beide, Merkel ebenso wie Putin. Und dennoch hat das Treffen in Meseberg gezeigt, wie unterschiedlich die Bundeskanzlerin und der russische Präsident vorgehen – und dass zwischen ihren Lösungsansätzen mitunter Welten liegen.

Merkel spricht von Verantwortung für internationalen Krisen: Syrien, Iran, Ukraine. Putin ergötzt sich lieber ausschweifend an Daten, Zahlen, Fakten der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Ganz als wolle er sagen: Passt auf, ihr Deutschen, was Ihr verlieren könntet.

Wer baut Syrien wieder auf?

Merkels Plan für Syrien nach dem Krieg heißt: politischer Prozess, Verfassungsreform, Wahlen. Subtext: Der syrische Staatschef Assad kann nicht bleiben, höchstens für den Übergang. Für Assads Schutzmacht Russland kommt das nicht in Frage. Putin setzt einen anderen Hebel an: die Furcht der Europäer vor noch mehr Flüchtlingen. Putins Ausweg: Geld. Die Europäer sollen die Infrastruktur, die die russische Armee mit zerstört hat, wieder aufbauen. Das ist zynisch. Aber eben pragmatisch gedacht. Der Militäreinsatz hat Russland Unsummen gekostet, für den Wiederaufbau sollen eben die zahlen, die Frieden wollen: die Europäer.

Zynisch auch, wie Putin über den Krieg in der Ostukraine redet. Das Minsk-Abkommen sei alternativlos, bei der Umsetzung komme man nur leider nicht voran. Damit verhöhnt er die Toten und Verletzten – denn es wäre für Russland ein Leichtes, keinen Nachschub mehr zu schicken, seine Rolle als Aggressor einfach zu beenden. Dazu kein Wort von der Kanzlerin. Diplomatisch spricht sie von der Hoffnung, dass zum anstehenden Schulbeginn ein neuer Versuch der “Entflechtung” unternommen wird. Eine merkwürdige Formulierung in Zusammenhang mit einem Krieg. Das klingt wie der Versuch, den Gast Putin nicht vor den Kopf zu stoßen.

Putin lässt sich nicht unter Druck setzen

Diplomatisch-vorsichtig auch Merkels Formulierung zur umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2, die Russland und Deutschland direkt verbinden soll: Die Ukraine müsse weiter eine Rolle im Gastransit spielen. Ein Satz, der Putin nicht weh tut und ihn auch nicht unter Druck setzt. Und den er mit dem Hinweis abtut: Gastransit durch die Ukraine nur, wenn das “den wirtschaftlichen Anforderungen entspricht”. Kein Wunder, dass da in Kiew die Alarmglocken schrillen.

Nach diesen Ankündigungen und Absichtserklärungen haben Merkel und Putin dann drei Stunden lang zusammengesessen. Sie reden weiter viel miteinander, aber eben auch oft aneinander vorbei.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2018, 05:47:33