Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland/Quelle: ZdJ

“Zweifel sind mir bisher erspart geblieben”

Gepostet am 17.06.2017 um 14:18 Uhr

Die ARD-Themenwoche “Woran glaubst du?” stellt das Thema Glauben in den Mittelpunkt. Wir haben bei den beiden Berliner Bischöfen sowie den Vorsitzenden des Zentralrats der Juden und der Muslime nachgefragt. Heute im Interview: Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ).

Josef Schuster wurde 1954 in Haifa geboren. Der Internist ist seit 2014 Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland (ZdJ).

Woran glauben Sie?

Für meinen Glauben und mein Gottesverständnis sind die Thora und die hebräische Bibel ausschlaggebend. Dazu gehören auch die 613 Ge- und Verbote, die zum Beispiel beinhalten, sich um kranke Menschen zu kümmern, für Arme zu spenden und die Welt ein Stück besser zu machen.

Warum ist der Glaube auch heute noch wichtig?

 Das klingt jetzt vielleicht widersprüchlich: Aber der Glaube an Gott erdet den Menschen. Er macht ihm deutlich, sich selbst nicht für das Höchste und Beste zu halten, sondern in Respekt vor Gott und den Mitmenschen zu leben. Sowohl im Judentum als auch im Christentum und im Islam sind Nächstenliebe, Respekt und Achtsamkeit – zum Beispiel im Umgang mit der Natur – zentrale Werte. Davon könnte unsere Gesellschaft gut noch mehr vertragen.

Haben Sie selbst schon an Gott gezweifelt oder sind vom Glauben abgefallen?

Nein, das ist mir zum Glück bisher erspart geblieben.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im September – was braucht es aus Ihrer Sicht: Mehr Zusammenarbeit von Politik und Konfessionen oder mehr Trennung von Kirche und Staat?

Für alle Religionsgemeinschaften, aber insbesondere für uns als kleine gesellschaftliche Minderheit, ist eine gute Zusammenarbeit mit der Politik von entscheidender Bedeutung. Auf allen Ebenen, von der Kommune bis zum Bund, sind wir mit den politischen Entscheidungsträgern stets im Gespräch. Die rechtliche Trennung von Kirche und Staat ist davon unbenommen. Neben unseren Bedürfnissen als Religionsgemeinschaft geht es für uns Juden in Gesprächen mit der Politik häufig auch um Sicherheitsfragen sowie um die Gedenkkultur in Deutschland.

Zuletzt aktualisiert: 27.06.2017, 02:17:12