Zuckersteuer – Nein, erstmal Zuckerfallen offenlegen!

Gepostet am 06.04.2018 um 16:44 Uhr

Die Diskussion über eine Zuckersteuer ist gut. Doch sollte man nicht erstmal auf Information und Transparenz setzen und Zuckerfallen erkennbar machen – zum Beispiel durch eine Zuckerampel? Ein Kommentar von Nina Barth.

Die Diskussion über eine Zuckersteuer ist gut. Denn auch bei uns sind viele Menschen zu dick, krankhaft dick. Die Weltgesundheitsorganisation sagt, die Fettleibigkeit – gerade auch bei Kindern und Jugendlichen – hat in Deutschland alarmierende Ausmaße angenommen.

Überraschend ist das nicht, wenn man sich aktuelle Daten anschaut. Die WHO empfiehlt nicht mehr als 25 Gramm Zucker am Tag, das sind etwa acht Stück Würfelzucker. Tatsächlich nehmen wir im Schnitt etwa das Vierfache zu uns.

Unbestritten ist: Zu viel Zucker kann krank machen. Die Risiken für Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Zahnkrankheiten steigen. Das alles belastet das Gesundheitssystem mit Milliarden – für die alle aufkommen müssen.

Ist die Zuckersteuer die Lösung?

Dass sich da etwas tun muss, ist unbestritten. Nur, was? Die Zuckersteuer ist sicher eine Möglichkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dann weniger Getränke mit viel Zucker trinken, ist groß. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass der Staat eingreift, um uns zu einer gesünderen Lebensweise zu animieren. So gibt es seit 2004 die Alkopop-Steuer auf alkoholhaltige Süßgetränke. Eingeführt wurde sie zum Schutz junger Menschen – und sie hat gewirkt. Zumindest geht die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung davon aus, dass die Alkopop-Steuer dazu beigetragen hat, dass der Alkoholkonsum bei Jugendlichen zurückgegangen ist. Oder, anderes Beispiel: die Zigarettensteuer. Auch sie ist zumindest ein Grund dafür, dass es inzwischen weniger Raucher gibt.

Das alles spricht für eine Zuckersteuer. Aber Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner lehnt sie ab. Lobby-Politik werfen ihr Kritiker vor. Aber interessanterweise sind selbst die Grünen gegen eine Zuckersteuer. In Deutschland ist sie erst mal nicht in Sicht.

Die Bürger müssen besser aufgeklärt werden

Richtig so, denn worum es gehen sollte, ist, die Bürger zu informieren. Denn Zucker steckt auch da drin, wo es nicht so offensichtlich ist wie in Schokolade oder Kuchen. Es weiß einfach nicht jeder, dass auch in Tütensuppen oder im vermeintlich gesunden Müsli Zucker enthalten ist – und zwar nicht zu knapp. Solche Zuckerfallen müssten klar erkennbar sein – zum Beispiel durch eine Ernährungsampel. Das ist das eine.

Das andere ist, das Bewusstsein zu schärfen. Informationskampagnen starten, Kindern schon in der Schule beibringen, welche Folgen zu viel Zucker haben kann. Und die Werbung nochmal unter die Lupe nehmen, vor allem die, die sich gezielt an Kinder richtet.

Es gibt Möglichkeiten, etwas gegen den zu hohen Zuckerkonsum zu tun. Die Zuckersteuer ist eine, aber vielleicht sollte man erst mal auf Information und Transparenz setzen. Da hat die Politik in den vergangenen Jahren einiges versäumt. Ein Umdenken bei den Leuten, ein bewusstes Zucker zu sich nehmen, ist wahrscheinlich genauso effektiv, vielleicht effektiver, als eine Zuckersteuer, die am Ende die Ärmeren härter treffen würde als die, die viel Geld haben.

Korrespondentin

Nina Barth

Nina Barth
Hörfunkkorrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2019, 06:52:12