Wohin mit Friedrich Merz?

Gepostet am 20.12.2018 um 14:42 Uhr

Muss Angela Merkel in ihrem Kabinett Platz für Friedrich Merz schaffen? Oder gäbe es noch andere Möglichkeiten, ihn einzubinden? Cecilia Reible hat da eine Idee. Ein Kommentar.

Was soll bloß aus Friedrich Merz werden? Der Mann ist ja sooo knapp nicht CDU-Chef geworden – da ist ja klar, dass man ihn irgendwie in die Partei mit einbinden muss. Nicht nur seinetwegen – er ist ja kein finanzieller Versorgungsfall – nein: Um diejenigen Christdemokraten zu befrieden, die die Partei gern wieder auf den „rechten Weg“ geführt hätten, also auf den konservativen, wirtschaftsliberalen natürlich.

Muss es ein Ministeramt sein?

Einem Friedrich Merz kann man aber natürlich nicht irgendwas anbieten. Unter einem Ministeramt wird er wohl nichts annehmen. Dass er sich das ohne weiteres zutraut, hat er ja bereits über die FAZ verkündet.

Aber Noch-Kanzlerin Angela Merkel will ihr Kabinett nicht umbilden, im Moment jedenfalls nicht. Sie müsste ja auch einen anderen Minister oder eine Ministerin dafür rausschmeißen. Okay, ein paar der CDU-Leute machen nicht soooo einen guten Job, es gäbe da schon ein paar Wackelkandidaten. Aber andererseits: Warum sollte sich Merkel ihren einstigen Widersacher in die Regierung holen? Sie hat ja schon Jens Spahn und auch sonst genug Probleme am Hals.

Wohin also mit Merz?

Ich hätte da eine großartige Idee: 2019 ist doch wieder so ein Super-Wahljahr. Unter anderem gibt’s Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern. Da könnte Merz doch als Spitzenkandidat für die CDU antreten!

Vielleicht nicht gerade in Sachsen. Dort hat die CDU ja noch einen Ministerpräsidenten, Michael Kretschmer heißt er. Der hat dann immerhin den Amtsbonus, wenn er sich im nächsten September zur Wahl stellt.

Bleiben also Brandenburg oder Thüringen. Auch diese beiden Länder wählen im Herbst. Der Unterschied zu Sachsen: Die CDU ist dort in der Opposition. Ihre Spitzenkandidaten müssen also gegen die amtierenden Regierungschefs antreten – das macht die Sache nicht einfacher. Hier könnte Friedrich Merz zeigen, wozu er fähig ist.

Eine Art Lackmustest

Er könnte beweisen, dass er es ernst meint, mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen. Er hätte das nächste dreiviertel Jahr eine prima Bühne, um für seine Ideen Werbung zu machen. Und am Ende könnte er die Wahl sogar gewinnen – dann wäre er Ministerpräsident, und das ist sogar besser als ein Ministeramt in Merkels Kabinett. Das sagt jedenfalls Manuela Schwesig, Regierungschefin in Mecklenburg Vorpommern und vorher Bundesfamilienministerin.

Die Aufmerksamkeit wäre Friedrich Merz jedenfalls sicher. Und es wäre auch so eine Art Lackmustest: Kann es Merz schaffen, Wahlen im Osten zu gewinnen und der dort besonders starken AfD wieder Wähler abzujagen? Noch dazu als Wessi? Wenn die Antwort darauf im Herbst „Ja“ lauten würde, dann wäre klar: Merz kann auch Kanzler.

Die CDU sollte es auf diesen Versuch ankommen lassen. Einziger Haken: Die CDU-Spitzenkandidaten für die Wahlen in Brandenburg und Thüringen sind längst gewählt. Sie heißen Ingo Senftleben bzw. Mike Mohring. Einem von ihnen müsste man den Joker Friedrich Merz noch irgendwie schmackhaft machen… vielleicht mit einem Ministeramt in Berlin?

Zuletzt aktualisiert: 22.01.2019, 00:58:04