Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wurde für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin nominiert // Bild: imago / Future image

Wofür steht Ursula von der Leyen?

Gepostet am 03.07.2019 um 12:00 Uhr

Forsch, pflichtbewusst – und mit einem Lächeln: Ursula von der Leyen wurde für das Amt der EU-Kommissionspräsidentin nominiert. Anja Günther über den Werdegang der CDU-Politikerin.

Pflichtbewusst, immer perfekt vorbereitet, zielstrebig. Das politische Gespür wird Ursula von der Leyen 1958 quasi in die Wiege gelegt – als Tochter des CDU-Politikers Ernst Albrecht, Ministerpräsident in Niedersachsen 1976-1990. Tochter Ursula zieht es aber nicht gleich in die Politik. Sie studiert zunächst Medizin, wird Assistenzärztin in Hannover, promoviert – und widmet sich danach vor allem der Familie: „Wenn man mich vor die Alternative gestellt hätte: Entweder die Kinder oder von Anfang an eine politische Laufbahn – ich hätte immer die Kinder gewählt.“

Es ist das Jahr 2003, in dem Ursula von der Leyen politisch so richtig durchstartet – als Sozialministerin in Niedersachsen. Von da an geht es steil nach oben – und in Richtung Berlin. Als neue Bundesfamilienministerin sorgt die CDU-Politikerin erstmal mit einer Homestory für Wirbel – inklusive Fotos mit Ehemann, den sieben Kindern sowie Ponys und Ziegen. So etwas gab es von ihr danach nie wieder. Röschen, wie sie ihr Vater nannte, konzentriert sich unbeirrt auf die Sache: „Röschen und weich? Ich finde, kein Röschen ohne Dornen.“

Frau für alle Fälle

Krippenausbau, Elterngeld, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf – von der Leyen packt an und setzt sich durch. Und gilt bald als Frau für alle Fälle: Erst Familienministerin, dann Arbeitsministerin – und seit 2013 Verteidigungsministerin. Auch als erste Frau in diesem Amt bleibt von der Leyen ihren Grundprinzipien treu: Forsch vorangehen, komplexe Zusammenhänge druckreif erklären – und dabei möglichst immer lächeln. Nur, dass dieses Grundprinzip in der schwierigen militärisch-zivilen Verteidigungswelt nicht immer reibungslos funktioniert.

Von der Leyen eckt an, als sie im Zuge der lange Zeit unentdeckt schwelenden Affäre um den rechtsextremen Offizier Franco A. der Bundeswehr eine Mangel an Haltung und Führungsqualität vorwirft: „Wenn die Vorgesetzten-Ebene die Führung nicht wahrnimmt und die Verantwortung nicht wahrnimmt, die sie müssen, dann werden Dinge eben aus falsch verstandenem Korpsgeist schöngeredet, es wird weg geschaut.“

Auf von der Leyens Pauschalkritik, ein bei ihr seltener Lapsus, folgt unmittelbar die Entschuldigung. Was bleibt, ist eine Herkulesaufgabe: Von der Leyen muss abarbeiten, was ihre Amtsvorgänger liegen ließen. Uns sie muss Krisen bewältigen, allen voran eine Berateraffäre im eigenen Haus und den Skandal um das Segelschulschiff Gorch Fock. Pluspunkte sammelt die Christdemokratin vor allem, weil sie einen höheren Verteidigungsetat durchsetzt und unermüdlich für eine gut aufgestellte, fitte Bundeswehr kämpft.

Wenig innerparteilicher Rückhalt

Mit ihrer Partei, der CDU, verbindet von der Leyen derweil keine große Innigkeit. Das Netzwerken ist nicht so ihr Ding. Der fehlende innerparteiliche Rückhalt gilt als ein Grund dafür, dass Ursula von der Leyen, die mal als Bundespräsidentin gehandelt wurde, nie wirklich aussichtsreich Merkels Kronprinzessin war, die Kanzlerin aber wiederum in Krisenzeiten öffentlich immer stützte: „Wir haben die perfekte Kanzlerin, das ist meine tiefe Überzeugung.“

Unter dem Strich gibt es Vieles, was die Politikerin von der Leyen ausmacht: Jede Menge Erfahrung, gute internationale Kontakte. In Niedersachsen ist sie aufgewachsen, aber in Brüssel geboren, hat in den USA gelebt, spricht englisch und französisch. Und von der Leyen hat gezeigt, dass auf sie zutrifft, was man über die Menschen ihrer Heimat Niedersachsen generell sagt. Die, heißt es im Niedersachsenlied, seien sturmfest und erdverwachsen.

Zuletzt aktualisiert: 18.10.2019, 02:01:38