Jedes zweite Unternehmen in Deutschland wurde in den letzten zwei Jahren Opfer von Datenklau, Spionage und Sabotage. So eine Studie des Digitalverbands Bitkom. Quelle: imago/Thomas Trutschel

Wirtschaftsspionage: “Eine unglaubliche Schadensbilanz”

Gepostet am 21.07.2017 um 17:29 Uhr

Sabotage, Spionage, Datenklau: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) in Deutschland sind in den vergangenen zwei Jahren Opfer geworden. Das belegt eine neue Studie des Digitalverbands Bitkom.


Jeder kann Opfer werden

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), Hans-Georg Maaßen, schätzt den Schaden durch Wirtschaftsspionage und Datendiebstahl auf rund 55 Milliarden Euro pro Jahr. “Das ist eine unglaubliche Schadensbilanz”, sagte er am Freitag bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.  Es zeige sich, dass die Gefahr für Unternehmen aller Branchen und jeder Größe real sei, sagte auch Achim Berg, Präsident des Bitkom. Jeder könne Opfer werden. “Die Studie unterstreicht, dass wir in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 unser besonderes Augenmerk auf die Abwehr von Spionageangriffen auf die deutsche Wirtschaft richten müssen”, sagte Maaßen. Sie zeichne auch ein wichtiges Lagebild darüber, wie die deutsche Wirtschaft den Wirtschaftsschutz wahrnehme und beschränke sich nicht auf IT-Angriffe, sondern rechne auch realweltliche Angriffe mit ein.

Datenklau durch Mitarbeiter

Die Angreifer kommen der Studie zufolge zum überwiegenden Teil aus dem Kreis der aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens, 62 Prozent der Betroffenen haben demnach die Täter in diesem Umfeld identifiziert. Die Unternehmen sollten sich nicht allein auf eine IT-Firewall verlassen, sondern benötigten auch eine “humane Firewall”, sagte Maaßen. Dazu gehöre eine Unternehmenskultur, die dazu beitrage, dass Informationsabflüsse durch Mitarbeiter soweit wie möglich reduziert würden.

Auch Hobby-Hacker greifen an

Mit 41 Prozent folgen darauf Wettbewerber, Kunden, Lieferanten oder Dienstleister. Von Hobby-Hackern wurden 21 Prozent getroffen, lediglich 7 Prozent der Attacken stammten demnach aus der organisierten Kriminalität.

Auf ausländische Nachrichtendienste entfielen 3 Prozent der Fälle. Kleine und mittelständische Unternehmen seien dabei oft das vordringliche Ziel, weil sie besonders innovativ seien, sagte Maaßen.

Die Absichten der Angreifer reichten von der Spionage über die Sabotage, die gezielte Desinformation bis hin zur Schädigung der Reputation des Wettbewerbers. Allerdings schaltet nicht einmal jedes dritte betroffene Unternehmen staatliche Stellen nach einem entsprechenden Vorfall ein.

Von den Unternehmen, die das überhaupt getan haben, wandten sich demnach 84 Prozent an die Polizei, 57 Prozent informierten die Staatsanwaltschaft.

 

Zuletzt aktualisiert: 21.10.2017, 15:50:25