Wir müssen eine ehrliche Afghanistan-Debatte führen

Gepostet am 06.03.2018 um 16:44 Uhr

Die Bundesregierung hat auf 28 Seiten viele Punkte zusammen getragen, die die Lage in Afghanistan beschreiben sollen. Trotz einiger Schönfärberei ist die Bilanz erschütternd. Ein Kommentar von Christoph Prössl.

Noch immer gibt es tausende Geisterpolizisten, afghanische Sicherheitskräfte, die nur auf der Liste existieren, Geld bekommen, aber nicht zum Dienst erscheinen. Der Einfluss der Taliban hat zugenommen, 40 Prozent der Gebiete sind nicht unter vollständiger Kontrolle der Afghanischen Behörden.

Zur Sicherheitslage im Land steht wenig in dem Bericht, dabei wäre auch die Zahl der zivilen Opfer ein wichtiger Gradmesser dafür, ob die internationale Staatengemeinschaft mit ihrem Engagement in Afghanistan auf dem richtigen Weg ist.

Ein Bericht mit Lücken

Viele andere Dinge stehen leider auch nicht in dem Bericht: Was zu tun ist gegen die Rekordernten beim Opium etwa. Warum die wirtschaftliche Entwicklung in Afghanistan so schleppend verläuft. Oder: Ob es messbare Erfolge bei der Ausbildung und Beratung durch die Bundeswehr gibt.

Im Dezember hatten die Abgeordneten im Bundestag einen umfassenden Bericht gefordert, denn die letzte Evaluierung des Einsatzes stammt aus dem Jahr 2014. Auch wenn ein Abzug aus Afghanistan – aus meiner Sicht – völlig falsch wäre: Dieser Bericht ist eher enttäuschend. Es braucht eine ehrliche Debatte darüber, ob das Engagement in Afghanistan etwas gebracht hat, was besser gemacht werden muss. Aus Fehlern lernen – das geht nur bei realistischer Betrachtung.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2019, 08:14:47