Was wusste Winterkorn?

Gepostet am 19.01.2017 um 05:10 Uhr

Zu seiner Rolle im Abgasskandal sind noch immer viele Fragen offen: Ex-VW-Chef Winterkorn wird heute vom Untersuchungsausschuss des Bundestags befragt. Was wusste er und wann informierte er die Politik darüber? Von Daniel Bauer.

Zu seiner Rolle im Abgasskandal sind noch immer viele Fragen offen: Ex-VW-Chef Winterkorn wird heute vom Untersuchungsausschuss des Bundestags befragt. Was wusste er und wann informierte er die Politik darüber?

Von Daniel Bauer, ARD-Hauptstadtstudio

Das Video ist von 2011. Martin Winterkorn läuft mit einem Zentimetermaß bewaffnet über die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt. Jedes Spaltmaß der Konkurrenz wird penibel nachgemessen. Und weil bei einem Hyundai die Lenkradverstellung leiser ist, als bei VW, gibt’s gleich mal eine Standpauke für die Manager: “Warum kann’s der?”

Wenn man sich das Video anschaut, wird klar: der Ex-Vorstandsvorsitzende hat sich auch um die kleinsten technischen Details gekümmert. Und wer über Lenkradverstellungen Bescheid weiß, der muss doch auch was von Abgas-Abschalteinrichtungen gewusst haben – oder?

“Wir klären das auf, ich gebe Ihnen mein Wort”

“Als sehr kenntnisreicher Vorstandsvorsitzender, als der er sich ja immer dargestellt hat, hat er einfach davon wissen müssen”, ist Herbert Behrens von den Linken überzeugt. Und das ist nicht ganz unwichtig, weil Behrens auch der Chef des Abgas-Untersuchungsausschusses ist. Er wird Winterkorn die ersten Fragen stellen. Und Winterkorn wird sich erstmals seit seiner Videobotschaft vom September 2015 wieder öffentlich äußern. Damals war die Ansage: “Wir klären das auf, ich gebe Ihnen mein Wort. Bei all dem werden wir mit der größtmöglichen Offenheit und Transparenz vorgehen.”

Aber das war 2015. Von der angekündigten Transparenz ist seitdem nicht viel zu spüren. Und Winterkorn selbst bestreitet nach wie vor, schon frühzeitig von den Manipulationen gewusst zu haben. Dass er im Ausschuss plötzlich ein Geständnis ablegt, daran glaubt auch Herbert Behrens nicht. Aber wer weiß? “Jetzt haben wir in den USA die ersten Festnahmen von VW-Managern, die wiederum sagen, selbstverständlich hätten sie den Vorstand in Deutschland informiert”, erklärt Behrens. “Er muss dann ja sagen, er bleibt bei seiner Aussage und hat nichts gewusst. Dann sagt er: die Leute, die in den USA ausgepackt haben, lügen.”

Winterkorn muss sich nicht selbst belasten

Es gibt aber noch eine andere Variante. Und die heißt, Winterkorn sagt gar nichts. Weil gegen ihn ermittelt wird, und er sich nicht selbst belasten muss. Für Kirsten Lühmann, die für die SPD im Ausschuss sitzt, ist das sogar die wahrscheinliche Variante: “Wir können ihn fragen, wann er die Bundespolitik über die Vorfälle bei VW informiert hat. Alles Weitere wird für ihn schwierig werden, weil ja Ermittlungen gegen ihn laufen.”

Und deshalb ist Winterkorn zwar der prominenteste Zeuge, aber vielleicht gar nicht der wichtigste. Es sind nämlich auch noch Vertreter von Audi und Opel geladen. Und weil gegen sie aktuell nicht ermittelt wird, könnten sie vielleicht sogar mehr erzählen.

Winterkorn vor Untersuchungsausschuss
D. Bauer, ARD Berlin
23:45:00 Uhr, 18.01.2017

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Januar 2017 um 04:55 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2017, 02:50:27