Wie die AfD am Aschermittwoch ihren Star Höcke feiert

Gepostet am 14.02.2018 um 21:19 Uhr

Özdemir? „Abschieben!“ Merkel? Eine „Domina“. Seehofer? „Der Bayer ohne Eier“. Beim politischen Aschermittwoch der AfD Mitteldeutschland in der Nähe von Pirna war die Wortwahl der Redner drastisch. Karin Dohr schildert hier ihre Eindrücke.

Bei der AfD ist eben alles ein bisschen anders. Es gibt nicht nur einen Politischen Aschermittwoch, sondern gleich zwei. Aber mit Konkurrenz oder gar Konflikten habe das gar nichts zu tun, erklärt man mir gleich: Hier bei Pirna, da lädt die AfD Mitteldeutschland ein – mehrere Landesverbände, die nicht zur bayerischen Veranstaltung mit Parteichef Meuthen fahren, sondern separat feiern – mit Höcke.

Das sei ja leider mit Petry nicht möglich gewesen, seufzt der Bundestagsabgeordnete Jens Maier, aber jetzt könne man so etwas endlich machen. Es sei also kein Zeichen einer Spaltung, sondern großer Einigkeit, die jetzt endlich möglich sei.

Sorge vor gewalttätigen Protesten

Der genaue Ort wird erst kurz vor dem Start mitgeteilt. Aus Sicherheitsgründen, heißt es – schließlich ist Björn Höcke der Star des Abends, da könne man Störungen und gewalttätige Proteste nicht ausschließen. Die Sorge ist unbegründet: Die über tausend Besucher, die 15 Euro pro Karte gezahlt haben, sind schon hellauf begeistert, als Höcke nur die Halle betritt und noch kein Wort gesagt hat. „Höcke, Höcke“ – Rufe, Handy-Fotos, strahlende Augen – hier ist man unter sich.

Mehrere ostdeutsche AfD-Bundestagsabgeordnete sind hier – unter anderem eben Jens Maier, um dessen Person es immer wieder Aufregung gibt. Heute gehe es einfach nur darum, Spaß zu haben, sagt Maier, und „zum Jagen zu blasen“, das sei ja schließlich Tradition am Politischen Aschermittwoch.

Klare Worte von den Rednern des Abends

Er hat sich die entsprechende Krawatte umgebunden, die dunkelgrüne mit den Hunden – genau die gleiche wie sein Partei- und Fraktionschef Gauland. Auf diverse Skandale der letzten Zeit, etwa den Tweet über Noah Becker („der Halbneger“) angesprochen, reagiert Maier leicht genervt, aber betont gelassen: Er habe ihn nicht selbst geschrieben, sich längst förmlich entschuldigt bei „Herrn Noah Becker“, und die Sache sei für ihn eigentlich vom Tisch. Und ganz allgemein: Er sei eben bekannt dafür, klare Worte zu sprechen – nicht nur am Aschermittwoch.

Klare Worte werden dann auch gesprochen, von den Rednern des Abends. Derb geht es auch bei den anderen Parteien zu, die AfD legt noch eins drauf: Natürlich gibt es viele Schulz-Witze, doch es heißt eben auch „der arme Martin – nach dem Alkoholismus kam auch noch die Schizophrenie dazu“.

Natürlich wird gerufen, dass Merkel weg müsse, aber man nennt die Kanzlerin eben auch „die Domina, die diese versaute schwarze Lack- und Ledertruppe wohl braucht“. Als der Name des Grünen-Politikers Özdemir fällt, ruft die Menge sofort „Abschieben, Abschieben!“ Seehofer ist „der Bayer ohne Eier“, die Linkspartei sind „arbeitsscheues Lumpenproletariat“, die türkische Gemeinde Deutschland werden vom Redner André Poggenburg als „Kamelhändler“ und „vaterlandsloses Gesindel“ bezeichnet, das zurück soll „zu seinen Lehmhütten und Vielweibern am Bosporus“.

Als Björn Höcke die Bühne betritt, ist die Halle nicht mehr zu halten – stehende Ovationen schon vor Beginn seiner Rede. Er grüßt die „lieben Patrioten“, erhebt erstmal das Glas mit „stolzem, sächsischem Bier“ und legt los. Er habe bewusst hier feiern wollen, in Frauke Petrys Wahlkreis. Seit „diese Dame“ weg sei, wachse endlich was zusammen gehört.

Höcke grüßt Pegida

Höcke grüßt Pegida als „Teil unserer großen Bewegung“ – sie sei „der notwendige Tritt in den Hintern“ der Partei AfD. Er skizziert die Qualitäten eines Staatsmannes: unter anderem soll er deutsche Geschichte nicht auf 70 Jahre beschränken, sondern mehr als tausend Jahre mit einbeziehen.

Die Berliner Republik sei eine „staatsmannfreie Zone“, nicht die Besten seien in den letzten Jahrzehnten nach oben gekommen, sondern die „Gewieftesten“ – damit müsse Schluss sein. Es seien „vaterlandslose Gesellen“, die für den Machterhalt jeden Inhalt opfern wollen. Er rufe ihnen zu: „Ihr seid enttarnt, Euer Spiel ist aus!“

„Zwölf dunkle Jahre liegen hinter uns“

Merkel, die Höcke wie immer „Erika Merkel“ nennt? „Zwölf dunkle Jahre liegen hinter uns“. Die deutsche Auto-Industrie? Kein Altpolitiker verteidige die so wichtige Branche gegen „übertriebene Anfeindungen aus Brüssel.“ Schulz, der verhinderte Außenminister? Höcke wird grundsätzlich: Auf diesem Posten „jettet man ohnehin nur lächelnd um die Welt und verschwendet unser Geld.“

Das mache schließlich auch der Bundespräsident schon, der könne den Job des Außenministers gleich mit übernehmen. Es gebe nur eine gute Koalition: „die Sahara-Koalition: Alle in die Wüste schicken!“ Und überhaupt: Deutschland fehle es vor allem an einem, das die AfD dem Land zurück bringe: „Männlichkeit!“
Frenetischer Jubel.

Zuletzt aktualisiert: 28.11.2020, 23:53:52