Wer bezahlt höhere Löhne für Pflegekräfte?

Gepostet am 05.07.2019 um 16:13 Uhr

Spahns Forderung nach mehr Geld für die Pflegerinnen und Pfleger ist richtig. Nur bleibt die Frage unbeantwortet, wer die steigenden Personalkosten am Ende bezahlen soll. Ein Kommentar von Cecilia Reible.

Personalmangel wird in Zukunft noch größer

Jens Spahn hat Recht: Pflegekräfte in Deutschland verdienen zu wenig. Der Job ist körperlich und oft auch seelisch hart – da sind die aktuellen Löhne kein Anreiz. Das ist einer der Gründe, warum es einen akuten Personalmangel in der Branche gibt. Fast 40.000 Stellen sind unbesetzt. Und es werden in Zukunft eher mehr als weniger Pflegekräfte gebraucht, weil die geburtenstarken Jahrgänge langsam aber sicher ins Seniorenalter kommen. Mit den derzeitigen Gehaltsperspektiven kann man aber ganz offensichtlich weder genügend qualifiziertes Fachpersonal, noch Hilfskräfte, noch Auszubildende für eine Arbeit im Pflegebereich begeistern.

Deshalb ist Spahns Forderung nach mehr Geld für die Pflegerinnen und Pfleger verständlich und richtig. Und tatsächlich ist ja auch bereits ein Gesetzentwurf in der parlamentarischen Beratung, der für höhere Löhne in der Pflege sorgen soll – entweder per allgemeinverbindlichem Tarifvertrag oder durch Anhebung des Branchenmindestlohns.

Es fehlt noch ein Finanzierungskonzept

Es gibt nur einen kleinen Schönheitsfehler: Es ist unklar, wer die steigenden Personalkosten am Ende bezahlen wird. Wenn die Pflegekräfte mehr verdienen – was ich mir ausdrücklich wünsche – dann steigen nämlich automatisch auch die Kosten für die Betreuung, ob im Heim oder ambulant. Und nach derzeitiger Rechtslage müssten die zusätzlichen Kosten von den Pflegebedürftigen bzw. ihren Angehörigen getragen werden.

Schon jetzt reicht das Pflegegeld aber bei weitem nicht aus, um einen vollstationären Heimplatz zu finanzieren. Zuzahlungen in vierstelliger Höhe sind die Regel.  Das kann sich nicht jede Familie leisten.

Ein Finanzierungskonzept muss also her, um die steigenden Personalkosten aufzufangen. Hier muss Spahn noch liefern. Und bitte nicht einfach nur die Beitragssätze zur Pflegeversicherung erhöhen. Nötig ist auf jeden Fall eine Begrenzung des Eigenanteils bei den Pflegekosten. Und ein kräftiger Zuschuss aus Steuermitteln. Das ist auch okay. Denn das Thema geht alle an, nicht nur die Pflegebedürftigen und die Beitragszahler. Gute Pflege und angemessene Löhne sollten in einem der reichsten Länder der Welt selbstverständlich sein.

Zuletzt aktualisiert: 18.10.2019, 00:45:40