Wenig Frauen, kaum Ostdeutsche: Das „weiter so“ der GroKo-Sondierungen

Gepostet am 09.01.2018 um 17:52 Uhr

Schluss mit „weiter so“ schien die Parole für die Sondierungsgespräche zu einer möglichen Neuauflage der Großen Koalition zu sein. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis bei den Sondierungsverhandlungen wäre zum Beispiel ein Ansatzpunkt.

„Wir befinden uns in einer neuen Zeit. Und diese neue Zeit braucht eine neue Politik.“ So äußerte sich Lars Klingbeil, seit wenigen Wochen Generalsekretär der Sozialdemokraten, zum Auftakt der Sondierungsgespräche von SPD und Unionsparteien. Schluss mit „weiter so“ schien die Parole für die Sondierungsgespräche zu einer möglichen Neuauflage der Großen Koalition zu sein.

Geringer Frauenanteil
Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis wäre beispielsweise ein Ansatzpunkt. Blickt man auf die Zusammensetzung der Sondierungsteams, ist von einer neuen Politik allerdings wenig zu sehen. Auf der Liste der 72 entsandten Parteimitgliedern finden sich lediglich 20 Frauen – das entspricht einem Anteil von 27,8 Prozent. Damit sieht diese Quote ähnlich mau aus wie die Verteilung im neu gewählten Bundestag. Zur Erinnerung: Nicht einmal ein Drittel der MdBs ist weiblich, 490 der insgesamt 709 Abgeordneten sind Männer.

Auch thematisch liegt keine Neuausrichtung in der Luft: Die meisten Unterhändlerinnen werden sich zu den Themen Familie, Soziales und Verbraucherschutz verständigen. Wenn es um Finanzen oder Einwanderung geht, finden sich reine Männerrunden zusammen. Ausgewogen ist die Geschlechterverteilung nur im Sondierungsteam, das sich Fragen und Eckpunkten rund um das Thema Arbeit zuwendet.

Kaum ostdeutsche Politikerinnen und Politiker
Unterrepräsentiert sind auch Vertreterinnen und Vertreter aus ostdeutschen Bundesländern – gerade mal sechs Politikerinnen und Politiker nehmen an den Sondierungsgesprächen teil. Das sind 8,3 Prozent im Vergleich zu knapp 20 Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung, die in den ostdeutschen Bundesländern leben (Stand: Ende 2015).

Unabhängig davon, ob SPD und Union sich auf eine „neue Politik“ einigen werden, eines ist gesetzt: Gemacht wird diese Politik zu einem größeren Anteil von Männern aus Westdeutschland.

Zuletzt aktualisiert: 22.05.2018, 10:19:45