Weihnachten im Wüstensand – die Bundeswehr in Gao

Gepostet am 21.12.2016 um 15:14 Uhr

Verteidigungsministerin von der Leyen besucht die Bundeswehrsoldaten in Gao. Birgit Schmeitzner berichtet über den Einsatz im afrikanischen Mali, der im Januar zum größten der Bundeswehr im Ausland werden wird.

Die Sonne scheint heiß auf das Feldlager in Gao, roter Sand frisst sich durch alle Ritzen. Überall gepanzerte Fahrzeuge, Waffen, in den Büschen und zwischen den mit Sand und Geröll befüllten Behältern, die vor Angriffen schützen sollen, lauert giftiges Getier, Kamelspinnen und Skorpione. Vorweihnachtsstimmung sieht anders aus, doch die Ministerin findet bei ihrem Truppenbesuch auch emotionale Worte für die Bundeswehrsoldaten:

“Wir haben hohen Respekt, sind sehr dankbar, dass Sie diesen Einsatz leisten, wir ahnen, was es bedeutet, dass Sie Weihnachten nicht zuhause bei Ihren Familien verbringen können. Unsere Gedanken sind bei Ihnen, seien Sie behütet und kommen Sie heile nach Hause.” Ursula von der Leyen

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Für Major Sascha M. ist das Nachhausekommen noch weit entfernt, erst im Februar wird der 42-jährige seine Familie daheim in Deutschland wiedersehen. Weihnachten werde verschoben, sagt er, auch die Geschenke sollen erst dann ausgepackt werden, wenn er zuhause sei. Wer hierher an den Rand der Sahara fliegt und aus dem Fenster schaut, sagt der Major, merkt, wo er ist:

“Hier ist lange Zeit nichts, und wenn die Ministerin herkommt und uns ihre Wertschätzung darstellt, ist das wichtig für uns. Hier ist die Entfernung wahrnehmbar, fühlbar. Und sie sagt, nee, wir vergessen euch nicht, gerade jetzt vor Weihnachten, das ist schon ein starkes Zeichen für die Soldatinnen und Soldaten hier, definitiv.” Major Sascha M.

Fast 600 Bundeswehrsoldaten sind derzeit im Rahmen der UN-Mission Minusma in Mali stationiert. Ihre Hauptaufgabe bisher: Aufklärung. Von Gao aus fliegen Drohnen vom Typ Heron über den Norden Malis, diese „Augen“, sagt von der Leyen, hätten bisher gefehlt.

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Anfang des kommenden Jahres wird Deutschland die so genannte Rettungskette von den Niederländern übernehmen, also die Hubschrauber stellen, mit denen Verwundete ausgeflogen werden. Dafür muss das Mandat verlängert und auf bis zu 1000 Soldaten aufgestockt werden, damit wäre Mali dann der größte Auslands-Einsatz der Bundeswehr.

Ein Einsatz, der gefährlich ist – und umstritten. Auch weil der Friedensprozess, den die Mission begleiten und sichern soll, nicht gerade schnell vorankommt. Und damit sofort die Frage im Raum steht: Wie lange werden wir in Mali bleiben müssen?

Von der Leyen mahnt zur Geduld

Von der Leyen mahnt hier zur Geduld, da schimmert die Erkenntnis durch, dass in Afrika die Uhren anders gehen. Allerdings ist der Ministerin auch Ungeduld anzumerken, und zwar wenn es um die malische Regierung geht:

“Wir erwarten, dass Mali seine Auflage erfüllt, die so genannte Kantonierung der Rebellen, das heißt, Dörfer zu schaffen, in denen die Rebellen einerseits entwaffnet werden, andererseits aber Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten bekommen.” Ursula von der Leyen

Doch von den vereinbarten acht Dörfern sind bisher gerade mal drei gebaut und besiedelt sind sie bisher noch nicht. Langer Atem ist also gefragt, Geduld, Langmut. Für die Europäer geht es darum, Fluchtursachen zu minimieren. Mit militärischer Hilfe, mit Entwicklungshilfe – oder, wie von der Leyen sagt, mit einem vernetzten Ansatz:

“Damit im Rahmen von Sicherheit, also Abwesenheit von Terror, Abwesenheit von kriegerischen Auseinandersetzungen, damit in einem friedlichen Rahmen sich überhaupt wieder Wirtschaft entwickeln kann und Menschen das Vertrauen haben, in der Region zu bleiben.” Ursula von der Leyen

Derzeit verlaufen durch Mali und das Nachbarland Niger die wichtigsten Flüchtlingsrouten zur libyschen Mittelmeerküste.

Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018, 21:20:18