Was funktioniert in der internationalen Diplomatie?

Gepostet am 27.02.2019 um 14:30 Uhr

Diplomatie à la Trump hilft im internationalen Miteinander nicht weiter. Und deshalb heißt die Devise weiterhin: Höflich bleiben und Kontakte pflegen. Warum das so ist, zeigt Birgit Schmeitzner.

Wir erleben gerade, was Diplomatie à la Trump bedeutet: Jedem etwas vor den Latz knallen, sich selbst in den Himmel loben, Pleiten als Erfolg verkaufen. Dass der US-Präsident damit durchkommt, hat einen Grund: die Größe seines Landes. Zu groß, als dass man sich mit Schaudern abwenden könnte und einfach sagt: Mach doch dein Ding alleine!

Deutschland ist kleiner. Nicht unwichtig im Konzert der internationalen Stimmen, auch weil wir uns als Impulsgeber der Europäischen Union sehen. Aber eben kleiner. Porzellan zerschlagen? Schlechte Idee, wenn man seine Vorstellungen durchbringen möchte. Oder, bleiben wir realistisch, wenn wir Kompromisse anstreben, die diesen Vorstellungen nahe kommen.

Was Politiker dafür tun? Kontakt halten, Hände schütteln, fürs Foto lächeln. Auch mit Politikern, die ganz anders ticken als man selbst, die andere Werte und Ziele haben. Wie gerade beim Gipfel mit der Arabischen Liga in Ägypten gesehen, das nennt sich Realpolitik. Oder wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker es formuliert: „Wenn ich nur mit lupenreinen Demokraten reden würde, wäre meine Arbeitswoche am Dienstag schon rum.“

Kategorische Vorgaben helfen nicht weiter

Mit kategorischen Vorgaben kämen Politiker wahrlich nicht weit. Zwei Beispiele:
+ Todesstrafe finden wir indiskutabel? Also kein Glückwunsch-Telegramm mehr an die USA.
+ Staatengrenzen dürfen nicht militärisch verschoben werden? OK, reden wir nicht mehr mit dem russischen Präsidenten Putin.

Das alles ist realitätsfern. Und auch die Kritik am Glückwunschschreiben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Nationalfeiertag des Iran schießt weit übers Ziel hinaus. Solche Telegramme gibt es jedes Jahr zuhauf, weil man auf dieser hohen diplomatischen Ebene freundlich miteinander umgeht. Sozusagen das Schmiermittel für internationale Diplomatie, das nur wenige Ausnahmen kennt. Sudan etwa, Syrien oder Nordkorea. Ansonsten aber heißt die Devise höflich bleiben, Kontakt halten, die Gesprächskanäle pflegen.

Nur dann hat man eine Grundlage für den Austausch auf anderen Ebenen, bei dem Kritik dann durchaus eine Rolle spielen kann. Und durch den ein Atomabkommen mit dem Iran überhaupt erst möglich war. Steinmeiers Telegramm mag manchen sauer aufstoßen – aber es war richtig, es zu senden.

Zuletzt aktualisiert: 24.03.2019, 09:54:03