Warum Steinmeier für das Chemnitz-Konzert werben darf

Gepostet am 03.09.2018 um 14:32 Uhr

Bei aller berechtigter Kritik an „Feine Sahne Fischfilet“: In Chemnitz geht es nicht um eine Band. Sondern um etwas Größeres, für das auch der Bundespräsident werben darf, kommentiert Uwe Lueb.

Darf der das? Zum Besuch eines Konzertes unter anderem mit der Band „Feine Sahne Fischfilet“ aufrufen? Der Name der Band klingt zwar nach Kabarett. Aber wenn man sich ihre Texte anschaut, muss es einem mulmig werden:

„Bullenhelme sollen fliegen – Eure Knüppel kriegt Ihr in die Fresse rein“ – oder „die nächste Bullenwache ist nur einen Steinwurf entfernt“.

Wegen solcher Passagen hatte der Verfassungsschutz ein Auge auf die Band geworfen. Die gibt sich inzwischen geläutert – sie hat Abstand genommen vom Linksextremismus. Geblieben ist die klare Kante gegen Rechts, weswegen „Feine Sahne Fischfilet“ auch beim Chemnitzer Konzert gegen Rechts dabei ist.

Der Bundespräsident wird gewusst haben, was für eine Band das ist. Aber er hat sich die Freiheit herausgenommen, sich nicht von fragwürdigen Texten einer Band von vielen abschrecken zu lassen. Das ist gut.

Es geht um den größeren Zusammenhang

Denn so wie bei Demonstrationen in Chemnitz gilt auch heute Abend nicht „pars pro toto“, es steht nicht eine Band für die ganze Veranstaltung. Es geht um den größeren Zusammenhang, um die Idee des Konzertmottos #wirsindmehr.

Es sind nämlich deutlich mehr Menschen im Land, die den gewaltsamen Tod eines Mannes in Chemnitz mutmaßlich durch Ausländer natürlich verurteilen – daraus aber nichts Völkisches ableiten. Die sich gegen Hetze und Hatz stellen. Die die Schwierigkeiten der Integration annehmen statt auf ein vermeintlich einfaches „Grenzen dichtmachen“ setzen.

Ein klares Ja

Die sich um das Gemeinwohl sorgen, das Funktionieren des Staates als Gemeinwesen auf allen Ebenen. Sollte „Feine Sahne Fischfilet“ die Teilnahme am Konzert noch kurzfristig absagen, wäre das nicht schlimm. Wenn der Bundespräsident sich dagegen von der Teilnahme einer kritikwürdigen Band selbst einen Maulkorb verpasste, schon. Daher beantworte ich die Frage, ob Steinmeier für die Veranstaltung werben darf, mit einem klaren Ja.

Zuletzt aktualisiert: 26.08.2019, 02:25:23