Warum das Problem der Trump-Wähler auch unseres ist

Gepostet am 10.04.2017 um 16:00 Uhr

IWF-Chefin Christine Lagarde, WTO-Chef Roberto Azevêdo und Weltbankpräsident Jim Yong Kim predigen in Berlin die Vorteile des freien Welthandels. Trump und seine Wähler dürfte das jedoch kaum überzeugen.

Christine Lagarde arbeitet als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Unweit des Weißen Hauses. Aber die Französin ist eigentlich in allem das Gegenteil von Donald Trump.

Elegant, welterfahren. Und vor allem: für den freien Welthandel. Gemeinsam mit Vertretern der Weltbank und der Internationalen Welthandelsorganisation weilt sie heute in Berlin. Gespräche mit der Bundesregierung, mit der Bundeskanzlerin, aber auch eine Talkrunde im “Haus der Wirtschaft” gehören dazu.

Die drei “Anti-Trumps”

Ohne den Namen Trump anfangs auch nur zu erwähnen, erwiesen sich die drei internationalen Top-Entscheider beim Berliner Lunch-Talk heute als die “Anti-Trumps”. Sowohl Lagarde als auch Roberto Azevêdo von der Welthandelsorganisation sowie Weltbankpräsident Jim Yong Kim deklinierten mittags mal eben das Einmaleins der Globalisierung durch.

Mit den Glaubenssätzen, dass der globale Handel Millionen aus Armut und Hunger geholt hat, dass er die Entwicklung nationaler Volkswirtschaften durch das Stahlbad weltweiten Wettbewerbs erhöht und durch gesteigerten weltweiten Wohlstand die Widerstandskraft der globalen Wirtschaft verbessert hat.

Ihr Problem ist auch unseres

Die Verlierer des rasanten Wandels, dem Präsident Trump durch nationalen Protektionismus widerstehen will, erwähnten sie durchaus. Weltbanker Kim erzählte von seiner Jugend im Mittleren Westen der USA, in Iowa, und von seinen damaligen Mitschülern, die lieber jung ins Stahlwerk gingen, um sich Haus und Truck kaufen zu können, anstatt auch noch viel Geld auszugeben, um höhere Bildung zu erwerben.

Diese Leute hätten jetzt ein Problem. Aber nicht nur sie. Denn viele von diesen Jugendfreunden Kims dürften Donald Trump gewählt haben. Und damit ist ihr Problem unseres, weil Trump dem Wirtschaftschampion Deutschland Fesseln anlegen will.

Mehr Investitionen in Bildung

Christine Lagarde, die erklärte Bewunderin deutscher Effizienz, will das nicht. Aber sie gab manchen Rat, um die wachsende internationale Kritik am deutschen Handelsüberschuss und Haushaltsplus zu mildern. Der deutsche Staat müsse seine enormen Einnahmen stärker reinvestieren, aber weniger in Brücken und Straßen, als in die digitale Infrastruktur und ins Bildungswesen.

“B” wie Bildung ist auch ihr Rat an alle Globalisierungsverlierer. Damit die Arbeitnehmer der Zukunft mobiler, flexibler und internationaler werden. Ob das auch Kims Jugendfreunden einleuchtet?

“G19 plus 1”?

Ihr Präsident Trump wird demnächst beim G-20-Treffen in Hamburg auf die Globalisierungsnutznießer treffen. Mal sehen, ob sich der Club der Weltwirtschaftsfreunde dann in “G19 plus 1” umbenennen muss.

Jedenfalls dürfen sich nationale und internationale Entscheider jetzt schon fragen, ob es ein Fehler war, sich in der Vergangenheit nicht mehr um die Verlierer des entfesselten weltweiten Wirtschaftens gekümmert zu haben.

Zuletzt aktualisiert: 28.04.2017, 02:25:44