Warme Worte am Tag der Pflege sind zu wenig

Gepostet am 12.05.2017 um 17:56 Uhr

Es ist gut, dass es ihn gibt. Durch den internationalen Tag der Pflege bekommen Menschen, die in diesem Bereich arbeiten, die Anerkennung, die sie verdienen. Aber: Von Anerkennung alleine kann keiner leben.

Der internationale Pflegetag wird am Geburtstag der legendären Florence Nightingale begangen. Zwischen der Pionierin der modernen Pflege und denen, die heute in diesem Beruf tätig sind, besteht aber ein großer Unterschied. Florence Nightingale kam aus einer wohlhabenden Familie und konnte ihrer Pflegemission nachgehen ohne Sorgen darüber, was am Monatsende auf dem Konto ist.

Bei allem Engagement, das die heutigen Pflegerinnen und Pfleger für ihren Beruf mitbringen – sie können erwarten, dass sie nicht nur berechtigte Wertschätzung, sondern auch angemessenes Geld für ihre Arbeit bekommen. Ihre Tätigkeit hat viel mit Menschlichkeit und Würde zu tun. Und sie wird gesellschaftlich zunehmend wichtiger in einem Land mit immer mehr älteren Menschen.

Zu häufig unter Tarif

Zurzeit bekommen viele Pfleger und Pflegerinnen – letztere sind klar in der Mehrzahl – nicht was sie verdienen. Und zu häufig wird besonders in Altenpflegeheimen unter Tarif bezahlt. Die aktuelle Bundesregierung hat eine große Chance verpasst, dies zu verbessern. Beim Streit um die Reform der Pflegeberufe hat sie sich von der Lobby der Altenheimbetreiber – unterstützt von Teilen der Unionsfraktion – erpressen lassen.

Die Folge ist, dass aus der von Gesundheitsminister Gröhe und Familienministerin Schwesig geplanten großen Reform ein Reförmchen geworden ist. Eigentlich sollte die Altenpflege in der Ausbildung komplett der besser bezahlten Krankenpflege gleich gestellt werden – eine solche Reform hätten die häufiger unterbezahlten Altenpflegerinnen und Altenpfleger sehr schnell auch im Portemonnaie gemerkt. Die große Koalition hat hier eine große Chance nicht genutzt, den Altenpflegeberuf attraktiver zu machen.

Hoffnung macht die Pflegereform

Auf der Habenseite steht das Pflegestärkungsgesetz. Es soll dafür sorgen, dass in Altenheimen die Pflegerinnen und Pfleger zumindest das bekommen, was ihnen nach dem so oder so schon nicht üppigen Tarifvertrag zusteht. Wenn die Gewerkschaften am heutigen Tag auf die Straße gehen, dann haben sie zumindest in diesem Punkt Recht: Zu viele Pflegeheimbetreiber bezahlen ihre Beschäftigten nicht nach Tarifvertrag, sondern nach Gutdünken.

Hoffnung macht auch die Pflegereform, die seit Anfang des Jahres in Kraft ist. Sie sichert eine bessere Versorgung, endlich auch für Demenzkranke. Fünf Milliarden Euro mehr hat die große Koalition dafür in das Pflegesystem gepumpt. Das war gut und wichtig – jetzt muss dafür gesorgt werden, dass möglichst viel davon auch bei den Pflegerinnen und Pflegern ankommt, die diesen wichtigen Bereich unseres Sozialsystems mit Leben füllen.

Keiner sollte sich Illusionen machen: Gute Pflege kostet. In Zukunft müssen wir bereit sein, eher noch mehr Steuer- und Beitragsgelder in die Alten-, aber auch die Krankenpflege zu stecken. Soviel Ehrlichkeit muss sein, warme Worte allein sind am Tag der Pflege zu wenig.

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2017, 20:36:28