Das Martyrium des deutschen Waldes

Gepostet am 26.04.2019 um 16:44 Uhr

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Große Flächen müssen wieder aufgeforstet werden – und die nächste Plage droht schon. Von Andreas Reuter.

Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald im vergangenen Jahr schwer zugesetzt. Große Flächen müssen wieder aufgeforstet werden – und die nächste Plage droht schon.

Stürme und Borkenkäfer haben gewütet wie die Axt im Walde. „Der Befund ist klar: Die Lage ist sehr ernst“, sagt Maren Klein, Sprecherin des Bundesumweltministeriums. Das Landwirtschaftsministerium hat mal genauer ausgerechnet: Allein wegen der Schäden von 2018 müssten 114.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden – eine Fläche knapp halb so groß wie das Saarland.

Das viertschwerste Schadensereignis in der deutschen Forstwirtschaft in 30 Jahren, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Karlheinz Busen. „Das sind Milliardenschäden“, erklärt der FDP-Mann.

„Schäden erheblich größer“

Eigentlich sei die Lage sogar noch viel schlimmer, sagt Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, ein Interessenverband unter anderem von Waldbesitzern. „Die Bundesregierung ist offensichtlich bemüht, die Schäden runter zu rechnen. Wir haben einen erheblich größeren Schaden als das, was sich die Regierung da zusammenrechnet.“

Kritik an staatlicher Hilfe

Erst Orkan „Friederike“, dann Dauerregen, dann drei Monate Trockenheit, dann vier Wellen Borkenkäferbefall, so beschreibt Schirmbeck das Martyrium des deutschen Waldes 2018: „Das ist ein Drama in einem Ausmaß, wie wir es in den letzten 50 Jahren in Mitteleuropa nicht hatten.“ Deshalb ist FDP-Politiker Busen überhaupt nicht zufrieden damit, was die Regierung jetzt tut, um die Schäden abzumildern: „Die Bundesregierung stellt fünf Millionen zur Verfügung und die Schäden sind Milliarden. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Das Landwirtschaftsministerium weist darauf hin: Es seien ja fünf Millionen pro Jahr, fünf Jahre lang. Steuererleichterungen gebe es auch schon. Mehr, so Sprecherin Michaela Bürgelt, sei erstmal nicht geplant: „Bisher steht die Zahl 25 Millionen. Alles weitere wird man prüfen müssen.“

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Schäden durch Klimawandel „einfangen“

Nur Geld an Waldbesitzer zu verteilen, könnte ohnehin zu kurz gedacht sein. Klein vom Umweltministerium jedenfalls fordert mehr: „Wir brauchen eine nachhaltige Strategie, um die nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels einzufangen. Dazu gehören natürlich in erster Linie Maßnahmen im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Stichwort Monokulturen: Das geht nicht weiter, wir müssen auf Mischwälder setzen und so weiter.“ Aber vor allem brauche man jetzt verbindliche Maßnahmen, um den Klimaschutz weiter voranzutreiben.

2019 drohen weitere Schäden

Dem deutschen Wald wird das erstmal wenig helfen. Auch in diesem Sommer dürfte es wieder ungefähr so viele Waldschäden geben wie in dem schlimmen Vorjahr 2018, schätzt das Landwirtschaftsministerium nach einem ersten Überblick aus dem Frühjahr. Die meisten Borkenkäfer hätten den Winter überlebt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

„Die Trockenheit und die trockenen Wälder tragen natürlich dazu bei, dass der Borkenkäfer sich sehr wohl fühlt“, sagt Bürgelt vom Landwirtschaftsministerium. Das heißt: Die nächste Plage kommt bestimmt.

Aufforstungen wegen Waldschäden
Andreas Reuter, ARD Berlin
15:46:00 Uhr, 26.04.2019

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. April 2019 um 15:20 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 23.05.2019, 19:08:04