Ex-VW-Manager klagt gegen Kündigung

Gepostet am 09.01.2018 um 11:54 Uhr

Der in den USA inhaftierte Ex-VW-Manager Schmidt wehrt sich gegen die fristlose Kündigung durch den Konzern. Nach Informationen von BR Recherche hat er gegen diesen Schritt vor dem Braunschweiger Arbeitsgericht Klage eingereicht. Von Arne Meyer-Fünffinger.

Der in den USA inhaftierte Ex-VW-Manager Schmidt wehrt sich gegen die fristlose Kündigung durch den Konzern. Nach Informationen von BR Recherche hat er gegen diesen Schritt vor dem Braunschweiger Arbeitsgericht Klage eingereicht.

Von Arne Meyer-Fünffinger, BR

Am 6. Dezember hatte ein Gericht in Detroit Schmidt zu sieben Jahren Gefängnis und zu einer Geldstrafe in Höhe von 400.000 US-Dollar verurteilt – wegen seiner Verwicklungen in den Diesel-Skandal. Fast zwei Wochen später, am 19. Dezember, stellte ihm Volkswagen im Gefängnis per Boten eine außerordentliche fristlose Kündigung zu.

Dagegen hat der frühere VW-Manager nach Informationen von BR Recherche gestern Abend beim Arbeitsgericht Braunschweig Klage eingereicht. “Herr Schmidt hält die Kündigung für rechtswidrig”, sagte sein Arbeitsrechtsanwalt dem BR, der zum jetzigen Zeitpunkt namentlich nicht genannt werden möchte.

Schmidt: Weisungen von VW befolgt

Interessant ist, warum der 49-Jährige rechtlich gegen die VW-Kündigung vorgeht. Nach seinem Verständnis habe er sich zu jeder Zeit loyal gegenüber Volkswagen verhalten, teilte sein Arbeitsrechtsanwalt dem BR mit.

“Herr Schmidt hat ausschließlich im Rahmen der ihm von Volkswagen erteilten arbeitgeberseitigen Weisungen gehandelt”, sagte der Jurist. “Dass er nun die fristlose Kündigung erhalten hat, offenbar, weil er die ihm erteilten Weisungen befolgt hat, ruft in Herrn Schmidt nicht nur das Gefühl hervor, ungerecht behandelt zu werden, es ist arbeitsrechtlich auch höchst zweifelhaft.”

VW-Manager Oliver Schmidt aufgenommen von einem Fotografen der Polizei nach seiner Festnahme in den USA.

Oliver Schmidt

Der VW-Sündenbock

Oliver Schmidt legte bei VW eine Bilderbuchkarriere hin. Jetzt ist er der einzige VW-Verantwortliche, der in den USA in Haft sitzt – stellvertretend für das gesamte System VW, wie einige Beobachter meinen. Martin Ganslmeier porträtiert den 48-Jährigen. | mehr

Schmidt, so der Jurist weiter, könne “für seine Sicht der Dinge eine Vielzahl von Zeugen benennen”. Volkswagen hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Kündigung Schmidts im Dezember mitgeteilt, grundsätzlich gelte, dass bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen von Beschäftigten, zumal im Falle strafgerichtlicher Verurteilungen, zwingend auch arbeitsrechtliche Maßnahmen geprüft werden müssten. Das sei integraler Bestandteil der Compliance-Pflicht jedes Unternehmens.

Der Ex-VW-Manager war 20 Jahre für den Konzern tätig und von März 2012 bis Februar 2015 in den USA dafür zuständig, Zulassungsfragen mit den dortigen Umweltbehörden zu regeln. Im Januar 2017 war er während einer USA-Reise auf dem Flughafen von Miami festgenommen worden.

Zuletzt aktualisiert: 19.09.2018, 15:29:03