Von wegen keine Unterschiede: Warum man wählen sollte

Gepostet am 19.09.2017 um 16:19 Uhr

Der Wahlkampf langweilig, keine Unterschiede zwischen den Parteien: Diesen Eindruck kann man kurz vor der Bundestagswahl oft hören. Aber dieser Eindruck ist grundverkehrt, meint Alex Krämer.

Die CDU ist nur eine schwarz lackierte SPD, die Grünen eine Art CDU plus ein bisschen Umweltpolitik, die SPD … weiß man nicht so genau. Die FDP ist Christian Lindner; lediglich Linke und AfD fallen aus dem üblichen Raster. Wer sich’s einfach macht, der kann mit genau dieser Ich-weiß-irgendwie-auch-nicht-scheißegal-Haltung an die Wahl herangehen – oder gar nicht wählen gehen. Aber genau diese Haltung macht mich wütend. Denn sie zeugt vor allem von Faulheit.

Wer nur zehn Minuten Zeit investiert, kann ganz entscheidende Unterschiede finden. Beispiel Steuern: Auf den ersten Blick versprechen Union und SPD fast das gleiche: Steuer-Erleichterungen von 15 Milliarden Euro im Jahr. Aber die SPD will am oberen Ende der Einkommensskala mehr kassieren, dafür niedrige und mittlere Einkommen deutlich entlasten. Die CDU will ebenfalls Steuerentlastungen, aber ohne den klaren Akzent, den die SPD bei denen setzt, die bis zu 50.000 Euro im Jahr verdienen.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen

Dieses Beispiel zeigt: Es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Zumal hinter diesen Vorschlägen zur Steuerpolitik eben zwei unterschiedliche Grundhaltungen stehen. Eine, der es sehr wichtig ist, dass der Staat eingreift, umverteilt von oben nach unten. Und eine andere, die genau das nicht in den Mittelpunkt stellt, sondern stärker auf Eigenverantwortung setzt.

Ähnlich klare Unterschiede kann man zwischen den Parteien beim Thema Klimaschutz finden, bei der Frage, wie unser immer teureres Gesundheitssystem künftig finanziert werden soll, oder bei der Frage, ob der Staat die Höhe von Mieten regulieren sollte oder eben nicht – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Nicht so gelangweilt nölen

Und die Mühe, bei genau den Fragen, die einem selbst am wichtigsten sind, die Unterschiede herauszufinden – diese Mühe kann man sich als Wähler schon machen. Es ist ausgesprochen einfach, zahlreiche Onlinemedien bieten entsprechende Übersichten an. Sich die anzuschauen, dauert pro Thema nicht länger als fünf Minuten.

Also, nicht so viel gelangweilt nölen, lieber informieren und wählen gehen – es geht durchaus um etwas. Auch machtpolitisch übrigens, nicht nur inhaltlich: Denn dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt, scheint zwar ziemlich sicher. Welche Koalition sie aber bilden könnte, ist wenige Tage vor der Wahl völlig offen.

Zuletzt aktualisiert: 18.11.2017, 09:15:43