Kaffeesatz-Prognosen und Flaggenfragen

Gepostet am 27.10.2018 um 14:34 Uhr

Seit Wochen spekulieren, sinnieren und analysieren wir, was am Sonntag in Hessen passiert. Am Montag sind wir schlauer. Dann aber beschäftigen uns längst ganz andere Fragen: Flaggenfragen. Eine Glosse von Horst Kläuser.

Mein Anruf im Recyclingcenter ging ins Leere. Nein, sagte der freundliche Mann, den ich mir in Orange mit Helm vorstellte, er habe keinen Kaffeesatz. Offenbar gibt es keinen Sekundärmarkt für Kaffeesatz, obwohl der hoch im Kurs steht. Denn neben Glaskugeln, die in Berlin seit langem ausverkauft sind, eignet sich kaum etwas besser, um die Zukunft vorherzusagen als eben Kaffeesatz.

Völlig unerklärlicherweise haben die Gesetzgeber vor vielen Jahren Wahlen und Wähler vorgesehen, die über Parlamente und Regierungen entscheiden. Eigentlich könnten das auch Umfrageinstitute, also die Profi-Kaffeesatzleser, erledigen. Oder wir Journalisten. Würde man uns das überlassen, wäre manches einfacher. Seit Wochen spekulieren, sinnieren und analysieren wir, was am Sonntag in Hessen passiert und – noch viel wichtiger – was daraus folgt. Geheimnis: wir hier in Berlin reichern unseren Kaffeesatz mit Informationen, Gesprächen und Erfahrung an.

Jamaika oder Kenia

Am besten klappen Kaffeesatz-Prognosen laut der Internetseite kaffee.org übrigens, wenn das ausgelaugte Kaffeepulver getrocknet ist. Mit anderen Worten: am Montagmorgen. Dann aber beschäftigen uns längst ganz andere Fragen. Flaggenfragen, um genau zu sein. Wenn schwarz-grün, also CDU-Grüne scheitern sollte, gucken wir wieder auf Jamaika, ein schwarz-grün-gelbes Fernreiseziel, dem ein gewisser Herr Lindner seinerzeit nix abgewinnen konnte.

Oder Kenia. Auch eine oft überhitzte Gegend, in der schwarz-rot und grün Platz finden. Auf der Fahne. Ob am Kabinettstisch müsste man mal ausprobieren. Rot-gelb-grün käme auch in Frage. Das hätte den Vorteil, dass man sich Flaggen von Mali über Benin, bis Litauen als Koalitionssymbol aussuchen könnte. Am meisten Spaß aber könnte Bangladesch machen.

Das krisengeschüttelte Land schmückt sich mit einer tiefgrünen Flagge mit einem fetten roten Punkt in der Mitte. Grün mit SPD und Linken – sieht optisch nett aus. Hat aber einen Schönheitsfehler: wer genau hinguckt, sieht, dass der dicke rote Punkt nach links verschoben ist …

Autor: Horst Kläuser

Zuletzt aktualisiert: 15.11.2018, 16:04:14