Von Drohnen und Dudelsäcken

Gepostet am 14.01.2018 um 12:22 Uhr

Ursula von der Leyen verabschiedet sich nach dem Sondierungs-Finale in die Wüste. In Jordanien besucht die Bundesverteidigungsministerin den Luftwaffenstützpunkt Al Azraq. Unser Korrespondent Oliver Köhr hat sie begleitet.

Mit Ursula von der Leyen auf Truppenbesuch nach Jordanien. Klingt nach einer spannenden Reise, ein bisschen Abenteuer und nach Einblicken, die man sonst kaum erhält. Nun ja. Vor allem lernt man die Bundeswehr nochmal ganz anders kennen. „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Soldaten Pünktlichkeit“, pflegte meine Omma zu sagen. Die Bundeswehr im Jahr 2018 ist gerne zweieinhalb Stunden vor der Zeit zur Stelle. Um fünf Uhr morgens müsse man allerspätestens am Flughafen sein, hieß es. Um 5.02 Uhr sind alle am Flugzeug. Um 7.30 Uhr ist Abflug.

Strengste Geheimhaltung

Vielleicht hat sich Ursula von der Leyen nach dem Sondierungs-Finale so an schlaflose Nächte gewöhnt, dass sie gar nicht mehr anders kann. Jedenfalls kommt sie schon am Mittag auf dem Stützpunkt in Al-Azraq an. Dass den mitreisenden Journalisten dabei nicht sofort ein Sack über den Kopf gestülpt wird, ist alles. Schon im Flugzeug waren wir schriftlich belehrt worden, dass wir quasi nichts sehen und nichts hören dürfen. Auf keinen Fall dürfe man berichten, welches Fluggerät aus welchen Ländern vor Ort ist. Niemals dürfe – jetzt nur als Beispiel – die Anzahl umherstehender Drohnen genannt werden. Und wer auch nur andeutet, dass – jetzt auch nur als Beispiel – überhaupt Drohnen da sind, muss mit dem Entzug von was auch immer rechnen.

Keine Fotos, keine Gespräche mit Soldaten, keine Andeutungen darüber, wo sich der Stützpunkt genau befindet (wer es wissen will, Google Maps weiß es). Dann irgendwann sind doch Fotos erlaubt, sogar Interviews, aber alles nur ganz kurz. Nach einer Viertelstunde ist wieder alles verboten. Was in der Zeit nicht produziert ist, wird auch nicht mehr produziert.

Vom Pfeifen und Rauschen

Am zweiten Reisetag wird alles besser. Es geht erheblich später los. Und bei der Übergabe von Lkw und Flugzeugen an die jordanische Armee müssen wir nur anderthalb Stunden auf das Eintreffen der Ministerin warten. Eine Militärkapelle ist zur Verkürzung der Wartezeit angetreten. Überall, wo die Briten mal waren, haben sie nicht nur das scheußliche Frühstück, sondern auch Dudelsäcke in Militärkapellen hinterlassen. Nach einer Viertelstunde flehen selbst duldsame Ohren um Gnade.

Als Ursula von der Leyen dann erscheint, zeigt sich die generalstabsmäßige Vorbereitung. Ein Pavillon soll die Frisur vor allerlei meteorologischem Ungemach schützen. Der Pavillon ist mit Steinblöcken beschwert, damit der Wind ihn nicht umkippt. Nur an den Schutz des Mikrofons hat niemand gedacht. Wind und Mikrofone sind natürliche Feinde – und so wird das, was die Ministerin zu sagen hat, von lautem Pfeifen und Rauschen begleitet. Als nach der Ansprache die Dudelsäcke wieder dran sind, wünscht man sich das Pfeifen und Rauschen schnell zurück.

Zuletzt aktualisiert: 22.05.2018, 17:45:46