Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen könnte neue EU-Kommissionspräsidentin werden. Foto: imago/Emmanuele Contini

Ursula von der Leyen: Keine Alternative zum Rücktritt als Ministerin

Gepostet am 16.07.2019 um 15:39 Uhr

Ursula von der Leyen tritt als Verteidigungsministerin zurück und will lieber EU-Kommissionspräsidentin werden. Ist der Rückzug ein gelungenes Manöver? Christoph Jähnert kommentiert.

War der Rücktritt schlau?

Ursula von der Leyens Rückzug aus dem Verteidigungsministerium wirft erst mal zwei Fragen auf: Ist das clever so ohne die Garantie, dass sie auch Kommissionschefin wird? Und Was hatte sie denn für eine Wahl?

Also der Reihe nach zunächst zur Frage, ob das aus ihrer Sicht schlau war. Erstens kann von der Leyen ihren Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Das Signal ist ‚Ich konzentriere mich voll auf die Kandidatur in Brüssel, ich habe keinen Plan B.‘ Das ist also durchaus clever.

Zweitens: Als Verteidigungsministerin hätte sie wohl auch nicht mehr viel gewinnen können. Die vielen Probleme mit Ausrüstung und Personal zogen anhaltende Kritik nach sich. Und die Berateraffäre kommt auch noch dazu. Also auch in dieser Hinsicht ist der Rücktritt ein eleganter Weg, das hinter sich zu lassen.

Keine andere Option

Und drittens: Was wäre denn die andere Option gewesen? – Eben. Wenn sie nicht die neue Kommissionschefin wird – wie lange wäre sie dann wohl noch Verteidigungsministerin? Zur Erinnerung: Kennt noch jemand Norbert Röttgen? Bundesumweltminister bis 2012. Er hatte sich damals als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen zur Wahl gestellt – und hat verloren. Seine Karriere als Umweltminister dauerte dann noch exakt drei Tage. Ob von der Leyen viel länger durchgehalten hätte, das ist fraglich. Vor allem mit den ganzen Problemen, die sie als Verteidigungsministerin hat. Mindestens wäre sie beschädigt, wenn sie nicht gewählt würde. Und der Job als Verteidigungsministerin würde wie die zweite Wahl aussehen.

Von daher: Ihr Rückzug ist sicherlich ein kluger Schachzug, möglicherweise aber auch – Vorsicht Unwort – alternativlos.

Korrespondent

ARD-Hauptstadtstudio

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Der Bericht aus Berlin

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Zuletzt aktualisiert: 20.09.2019, 09:39:31