Unsicherheit mit der eigenen Kultur

Gepostet am 12.06.2017 um 12:57 Uhr

Darf ein Kreuz auf die Kuppel des Berliner Schlosses? An der Diskussion um diese Frage zeigt sich Unwissen und Unsicherheit. Denn nur wer über seine Kultur Bescheid weiß, kann auch für Integration begeistern, kommentiert Frank Wahlig.

Ein Versuch war das in vermuteter politischer Korrektheit. Es versuchten sich die Berliner Üblichen. Grüne, Linke, ein paar versprengte Sozialdemokraten.  Es ging um die Unsicherheit an der eigenen Kultur. Darf ein Kreuz auf die Kuppel des Berliner Schlosses?

Aber NEIN war die Antwort der Üblichen. Was denken denn die Leute, wenn die ein christliches Symbol sehen, wenn wir heute wieder ein Kreuz errichten, wo früher einmal eines war? Das klingt wie ein biedermeierlicher Gedanke. Ist es auch. Vorgetragen von Leuten, die in ihrer Jugend einmal fortschrittlich zu sein glaubten und heute den Muff  verkörpern und immer noch behaupten fortschrittlich zu sein.

Um es kurz zu machen: Das Humboldtforum, das Berliner Stadtschloss, wird wie geplant aufgebaut mit Kreuz, übrigens auch mit vielen Steinfiguren, die christliche Heilige darstellen.  Aus Versehen wohl ist von den Üblichen nicht gefordert worden ihnen die Gesichter zu zertrümmern oder die Flügel abzuschlagen – aus Gründen der weltanschaulichen Neutralität. Die Sorge bestand, dass auch Muslime sich durch das Kreuz beleidigt fühlen könnten. Den Rest mag man sich denken, was die Üblichen dachten, wozu ein eingeschnappter Muslim fähig ist, wenn er denn eingeschnappt ist.

Integration ist eine Kulturaufgabe

Erst als Islamverbände erklärten, der Wiederaufbau des Stadtschlosses solle mit Kreuz erfolgen, kehrte Ruhe ein. Das war wie eine Freisprechung. Das Stadtschloss in seiner barocken Fassade, mit Kuppel und mit Kreuz, steht für eine Kultur. Das gilt auch für den Inhalt. Es geht nicht um ein Zeichen christlicher Stärke sondern um eine Kultur zu der auch das Kreuzsymbol gehört.

Wer über seine Kultur nicht Bescheid weiß oder sich ihrer schämt, der kann auch niemanden für so etwas wie Integration in ein Land begeistern. Das ist es. So einfach ist es. Auch wenn es nur um eine Skulptur auf der Kuppel eines Gebäudes geht. Integration ist nicht Vokabel lernen, wie die Integrationsministerin der Regierung Merkel so salopp wie falsch meint: Integration ist eine Kulturaufgabe.

Dafür steht auch das Stadtschloss in seiner barocken Form – mit dem Kreuz auf der Kuppel. Eine Gesellschaft muss wissen, was sie geworden ist, was sie ist – und wo sie hin möchte. Vielleicht muss sie sogar stolz darauf sein. Dann können das auch andere anerkennen.

Die Üblichen vielleicht nicht. Aber die, die noch nicht solange hier leben, wissen solche Zeichen zu schätzen. Das Stadtschloss, geplant wie gebaut – das sind WIR.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2017, 12:28:35