Auto-Fasten: Umweltschutz oder Aktionismus?

Gepostet am 28.02.2017 um 14:19 Uhr

Umweltbundesamt und Grüne haben einen Vorschlag gegen die Luftverschmutzung in deutschen Städten. Von Aschermittwoch bis Ostern das Auto stehen lassen. Andreas Reuter und Daniel Bauer mit einem Pro & Contra.

Andreas Reuter sagt: Ja!

Auto-Fasten bis Ostern: Gute Idee. Autos stinken, Autos machen krank, Autos sind laut, sie verstopfen die Innenstädte. Und gelten seit gestern sogar ganz offiziell als gemeingefährliche Mordwerkzeuge. Warum also nicht mal für ein paar Wochen das Auto stehen lassen? Nehmen Sie den Bus, fahren Sie Rad, gehen Sie zu Fuß. Oder bilden Sie wenigstens eine Fahrgemeinschaft. Und vielleicht merken Sie dann ja: Na bitte, geht doch. Sie bewegen sich mehr, treffen mehr Menschen. Und sparen Geld. Vielleicht ist das ja ein heilsamer Denkanstoß. Und Sie schaffen Ihr Auto danach sogar ganz ab. Denn das ist das einzige, was mich am Auto-Fasten stört. Wenn nach Ostern alle wieder Gas geben würden, als wäre nichts gewesen.

Daniel Bauer sagt: Nein!

Natürlich ist es eine gute Idee, dass Auto stehen zu lassen, wenn man es nicht wirklich braucht. Das schont die Umwelt – und meist auch die eigenen Nerven! Ich glaube allerdings, dass es vor allem in Großstädten nicht mehr viele Menschen gibt, die aus Jux und Tollerei jeden Morgen und Abend im Stau stehen und dann zehnmal um den Block fahren, um einen Parkplatz zu finden. Wenn der öffentliche Nahverkehr besser und billiger wäre, würden viele sicher gerne umsteigen. Auch ganz ohne gute Ratschläge mit erhobenem grünen Zeigefinger. Aber die Idee, Autofahrer zur Fastenzeit mit Schnäppchenpreisen in die U-Bahn zu locken, klingt dann doch etwas absurd! Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer auf den ÖPNV-Geschmack kommt, wenn die Bahnen in den kommenden Wochen noch überfüllter sind als sowieso schon. Wenn ich morgens und abends in der Tram sitze, bin ich jedenfalls dankbar für jeden Autofahrer auf der Straße. Mein ganz persönlicher Fasten-Appell an alle Pendler ist deshalb auch: Dreht doch mal wieder den Zündschlüssel um. Weg von den eingefahrenen Schienen. Und hört nicht drauf, was die Grünen euch erzählen.

Zuletzt aktualisiert: 23.03.2017, 15:08:08