Über Organspende reden ist zu wenig

Gepostet am 03.09.2018 um 15:05 Uhr

Jens Spahn will eine gesellschaftliche Debatte über das Thema Organspende. Neu ist das nicht, findet Frank Wahlig, die Argumente sind bekannt. Der Gesundheitsminister sollte lieber Taten folgen lassen.

Nichts Neues in der Sache. Die Argumente sind bekannt. Alle. Schon lange. Der Gesundheitsminister macht es sich einfach. Es ist wieder derselbe Stein ins Wasser geworfen worden. Die zuständigen Politiker beobachten die Wellenbildung und sinnen über das für und wider der Organentnahme nach.

Eigentlich müssten Taten folgen. Erst gesetzgeberisch, dann medizinisch. Tausende warten auf lebensrettende Spenderorgane. Manche Kranke ziehen in Länder der europäischen Union um, in denen es leichter ist, eine Spenderniere zu erhalten. Italien zum Beispiel. In Deutschland warten und hoffen 10.000 Kranke auf ein Spenderorgan. Das ist unwürdig.

Geboren als Organspender

Gesundheitsminister Spahn will am System der Transplantation nichts ändern – er will nur die Organentnahme erleichtern. Wer nicht dagegen ist, ist dafür. Geboren als Organspender.

Spahn ist klar, dass dadurch der Staat in die Freiheit auch in die Unversehrtheit des Einzelnen eingreift. Das kann man machen, wenn man die politischen Mehrheiten organisiert – und das Verfassungsgericht es absegnet.

Darüber reden ist zu wenig

Was macht der verantwortliche Minister? Er will die Debatte über die Organspende. Gut, dass wir darüber reden. Das ist eine herzliche Einladung, aber keine Entschlossenheit. Das ist den Stein ins Wasser werfen und die Wellen beobachten. Das ist zu wenig. Warum will er kein entsprechendes Gesetz vorlegen, warum will die Große Koalition sich nicht auf ein politisches Vorgehen einigen und dann öffentlich dafür gerade stehen? Erst die Absicht, dann die Debatte, dann das Gesetz.

Diskutiert wird schon lange

Denn diskutiert über die Organspende wird schon lange, viele sind darüber gestorben oder haben sich in anderen Ländern helfen lassen. Wir brauchen nicht mehr die breite gesellschaftliche Debatte über das für und wider der Organspende. Wir brauchen eine Regelung. Die Große Koalition kann das, wenn sie es will. Wenn diese Koalition dazu nicht in der Lage ist, dann soll das gesamte Parlament darüber befinden, jenseits der Parteigrenzen.

Das Warten der Kranken und Sterbenden auf Organe rührt einen. Die Zögerlichkeit der Politik macht traurig.

Zuletzt aktualisiert: 20.08.2019, 18:41:54