Über den Tellerrand hinaus: Die Rede von Entwicklungsminister Müller

Gepostet am 23.03.2018 um 14:15 Uhr

Andere Minister hatten prominentere Uhrzeiten, um ihre Pläne im Bundestag vorzustellen, doch Entwicklungsminister Gerd Müllers Rede ist wichtig und sollte nicht unter den Tisch fallen, kommentiert Marion von Haaren.

Als Minister Müller am Dienstagabend spät vor den Bundestag tritt, sind nicht mehr viele Abgeordnete im Saal. Verständlich. Den ganzen Tag – mehr als zwölf Stunden – liefen die Debatten. Was aber nach diesem langen Tag um 21.12 Uhr im Plenarsaal zur Sprache kommt, wäre es wert gewesen in alle Schulklassen, Wartesäle und auf öffentlichen Plätzen übertragen zu werden.

“Das Mädchen im Sudan hat das gleiche Recht auf Leben und Wohlstand wie das Mädchen aus Berlin,” erklärt der neue und “alte” Entwicklungsminister. Deutschland und die europäischen Länder trügen große Verantwortung für Afrika. Es sei Zeit für einen Paradigmenwechsel.

Sehen Sie hier die komplette Rede:


Die Welt stehe an einer Weggabelung: Wir könnten nicht so weiter machen mit “Konsum und Wachstum ohne Ende”. Müller zitiert den kürzlich verstorbenen Ausnahme-Physiker Stephen Hawking: “Mit unserer Gier und mit unserer Dummheit wird sich die Menschheit am Ende selber ausrotten.”

Es sei Aufgabe der Politik, dies zu verhindern. Etwa durch Maßnahmen gegen den Klimawandel. Denn der sei bereits heute die wichtigste Armutsursache in Afrika. Im globalen Dorf dürften wir nicht wegsehen: “Wir müssen das Leid der Menschen benennen.” Wissenschaft und Technik gäben uns die notwendigen Instrumente um Armut und Hunger zu bekämpfen. Es sei bereits eine Menge erreicht worden – in den vergangenen dreißig Jahren konnte der Hunger halbiert werden, trotz wachsender Weltbevölkerung.

Fluchtursachen bekämpfen

Nicht freier Handel, sondern fairer Handel müsse oberste Maxime der Globalisierung werden. Hier liege noch ein weiter Weg vor uns: Allein die Handelsverträge der EU mit Afrika sprechen eine andere Sprache. Kaum abzuschätzen, wie viele afrikanische Kleinbauern durch konkurrenzlos billige EU-Agrarexporte aufgeben mussten, wie viele der reichen Meere rund um Afrika von Europas industriellen Fangflotten leergefischt werden und heimischen Fischern Brot und Arbeit nehmen.

Entwicklungspolitik – so Müller – müsse Fluchtursachen bekämpfen. Dazu gehören die EU-Lieferketten und EU-Verträge mit Afrika auf den Prüfstand. Es soll einen Entwicklungs-Investitionsfonds für Unternehmer geben, die sich in Afrika engagieren. Auch Hilfen gegen das Bevölkerungswachstum gehören dazu.

Am Schluss von Müllers Rede eine erschreckende Zahl: „Für Rüstung geben die Länder der Erde 1.600 Milliarden Euro aus, für den Kampf gegen Hunger und Unterentwicklung nur 160 Milliarden.“ Ein Verhältnis also von eins zu zehn.

Zuletzt aktualisiert: 11.12.2018, 21:04:53