Twittern gegen den Impeachment-Frust

Gepostet am 14.12.2019 um 09:34 Uhr

124 Tweets am Tag – das ist selbst für Trump viel: Die Tweet-Dichte des US-Präsidenten erreicht derzeit Rekordzahlen. Das könnte ein Zeichen dafür sein, wie sehr ihm die Impeachment-Untersuchungen zusetzen. Von Katrin Brand.

124 Tweets am Tag – das ist selbst für Trump viel: Die Tweet-Dichte des US-Präsidenten erreicht derzeit Rekordzahlen. Das könnte ein Zeichen dafür sein, wie sehr ihm die Impeachment-Untersuchungen zusetzen.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Seinen Anhängern riet der Präsident diese Woche, die Nerven zu bewahren. „Es wird nicht passieren, macht euch keine Sorgen.“ Und: „Kein Grund für schlaflose Nächte.“ Keine Sorge, niemand werde die Wahl kippen oder den Präsidenten rauswerfen, sollte das heißen.

So cool, wie er seine Fans gerne hätte, ist er selber lange nicht. Das lässt sich zum einen daran erkennen, dass Trump bei jedem öffentlichen Auftritt sehr weitschweifig auf das Thema Impeachment zu sprechen kommt.

Noch deutlicher aber wird es beim Blick auf Trumps Lieblingsmedium Twitter. Amerikas Zeitungen und Sender werten das Gezwitscher des Präsidenten aus: Wann, worüber, wie oft und in welchem Ton Trump seiner Meldungen abschießt. Denn, so CNN-Reporter Chris Cillizza: „Sein Twitter-Verlauf ist das beste Fenster, um zu verstehen, was dieser Präsident in jeder Minute denkt.“

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Neuer persönlicher Rekord

Bisher hatte Trump seine Aktivität auf Twitter vor allem rund um Wahlen verstärkt. Mit der Diskussion um das Impeachment hat die Frequenz in diesem Herbst aber erheblich zugenommen – das zeigt die Statistik der „Washington Post“. Allein in den vergangenen sieben Tagen setzte er 60 Tweets pro Tag ab.

Am Donnerstag übertraf er sich selbst: 124 Tweets waren es laut CNN-Reporter Cillizza. Das ist neuer persönlicher Rekord. Allein 89 der Tweets wurden in den ersten drei Stunden nach dem Wachwerden abgefeuert, zählte die Washington Post.

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Glückwunsch an Johnson

Ein nostalgisches Foto von sich und Ronald Reagan, eine kurze Meldung über den kommenden großen China-Deal, ein Glückwunsch zur Wahl in Großbritannien, eine unfreundliche Bemerkung über Greta Thunberg, ansonsten aber viele Fotos und Videos, Kommentare und Zitate rund um die 14-stündige Sitzung des Justizausschusses. Der wollte am Donnerstag das Amtsenthebungsverfahren offiziell beschließen, vertagte die Entscheidung dann aber auf Freitag.

Nicht alle der 124 Tweets sind persönliche Kommentare des Präsidenten. Ein Großteil des Aufkommens stammt aus Retweets, also aus Weiterleitungen. Trotzdem: Es zeigt, das Trump die Angelegenheit unter die Haut geht. Und es zeigt auch, dass Twitter der Ort sein wird, von dem aus er die Schlachten von 2020 schlagen will.

Am Freitag hatte sich das Twitter-Gewitter schon wieder verzogen, aber Mitte nächster Woche könnte es eine neue Unwetterwarnung geben. Dann wird das Abgeordnetenhaus über ein mögliches Impeachment entscheiden. Stimmt es zu, trägt Trump ab sofort und für immer den Stempel: Dieser Präsident wurde angeklagt.

In Twitter-Gewittern: Wie der Präsident seinen Impeachment-Frust abarbeitet
Karin Brand, ARD Washington
08:56:00 Uhr, 14.12.2019

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 14. Dezember 2019 um 06:13 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 22.01.2020, 02:33:35