Den richtigen Tritt finden

Gepostet am 25.10.2018 um 19:36 Uhr

Wirtschaftsminister Altmaier will die Handelsbeziehungen zur Türkei wieder verbessern. 30 Unternehmer begleiten ihn nach Ankara. Es geht ihnen vor allem um politische Stabilität. Von Martin Maier.

Wirtschaftsminister Altmaier will die Handelsbeziehungen zur Türkei wieder verbessern. 30 Unternehmer begleiten ihn nach Ankara. Es geht ihnen um politische Stabilität und ein bisschen auch um Menschenrechte.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Peter Altmaier zögert. Am Mausoleum des türkischen Staatsgründers Atatürk will der Wirtschaftsminister einen Kranz niederlegen: Wie man genau das riesige Areal formvollendet abschreitet, ist nicht ganz klar – ein türkischer Soldat erklärt Altmaier die richtigen Schritte.

Den richtigen Tritt zu finden, ist die wohl größte Herausforderung Altmaiers bei seinem Besuch in der Türkei. Die politischen Spannungen zwischen den Regierungen in Berlin und Ankara sind nicht überwunden.

Gespräch “unter Freunden”

Natürlich, sagt der Wirtschaftsminister, trete die gesamte Bundesregierung für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit ein: “Es gibt auch Fragen, die man sinnvollerweise unter Freunden bespricht und versucht zu lösen statt sie in der Öffentlichkeit kontrovers zu diskutieren.” Zu Hause wird Altmaier dafür kritisiert. Die Linkspartei wirft ihm vor, lediglich Absatzmärkte sichern zu wollen. Mehr als 30 Wirtschaftsvertreter begleiten den CDU-Politiker.

Menschenrechte und politische Stabilität

Das Thema Menschenrechte sei durchaus ein Thema für sie, sagen mehrere der Unternehmer. Man habe da eine Verantwortung – so oder so ähnlich lautet die Begründung. Wichtiger wohl aber ist deutschen Firmen politische Stabilität, sagt Sürreyya Inal von der türkisch-deutschen Handelskammer: “In der letzten Zeit wurde insbesondere aus deutscher Sicht die Sicherheit bei Investitionen und Eigentumsrechten angezweifelt. Und das war auch der Grund, warum sich die Investitionsentscheidung verzögert hat.” Dazu kommt die massive Abwertung der türkischen Lira. Allein im August brach der Export um ein Viertel ein.

Von Krise ist beim Metallhersteller Hymer nichts zu spüren – geschäftiges Treiben herrscht in den großen Hallen. Der Chef der türkischen Niederlassung versucht, den Rummel zu ignorieren, den Altmaiers Besuch auslöst.

Ein gutes Pflaster sei die Türkei für deutsche Firmen, sagt der Metall-Hersteller. Altmaier nickt zufrieden – diese Botschaft will auch er verbreiten: “Wir werden insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeiten verbessern auf den gegenseitigen Märkte erfolgreich zu arbeiten. Wir werden mit einer gemeinsamen Wirtschafts- und Handelskommission dazu beitragen, dass wir auch eine strukturierte Zusammenarbeit schaffen können”, erklärt der Wirtschaftsminister nach einem Treffen mit dem türkischen Finanzminister. Auch der betont, wie eng beide Länder verbunden seien, und das seit vielen Jahren.

Lob für die Kanzlerin

Auf die Frage nach Menschenrechtsverletzungen und Rechtsstaatlichkeit antwortet er ausweichend. Es seien schwierige Zeiten für sein Land gewesen, sagt Berat Albayrak. Doch auch er versucht, milde Töne anzuschlagen, lobt mehrfach die Kanzlerin und den Wirtschaftsminister. Wenn es Altmaier darum geht bei seiner Reise, gut Wetter zu machen, dann scheint sie ein Erfolg zu sein.

Altmaier in der Türkei
Martin Mair, ARD Berlin
17:43:00 Uhr, 25.10.2018

Zuletzt aktualisiert: 14.11.2018, 01:24:07