Trump schlägt zu – und verhängt Zölle auch für die EU

Gepostet am 26.04.2018 um 17:17 Uhr

Angela Merkel reist zu einem Arbeitstreffen mit Donald Trump nach Washington. Angesichts der vielen Konflikte ist ein aus deutscher Sicht erfolgreiches Treffen nicht zu erwarten – erneute Handelsverhandlungen wären schon ein Erfolg. Torsten Huhn kommentiert.

Nun tut er es doch: Donald Trump will auch die EU mit Strafzöllen belegen. Zum 1. Mai sollen die in Kraft treten, nächsten Dienstag also. In der deutschen Wirtschaft klingeln die Alarmglocken. Wenn deutsche Produkte in den USA deutlich teurer werden, wenn etwa Autos für die Käufer 20 Prozent mehr kosten als bisher, dann hat das Folgen für den Absatz der deutschen Hersteller in den USA.

Bis zuletzt hatte die Bundesregierung wie auch die Wirtschaft gehofft, der Kelch würde an ihnen vorübergehen. Man setzte darauf, auf dem Verhandlungsweg zu einem Kompromiss in der Handelspolitik zu kommen. Doch der ungeduldige und unberechenbare amerikanische Präsident hat Berlin jetzt offensichtlich deutlich gemacht, dass er nicht weiter warten will.

Was kann Bundeskanzlerin Merkel in Washington bewirken?

Bundeskanzlerin Merkel, die bereits auf dem Weg nach Washington ist, steht damit vor einer ihrer schwierigsten Reisen – und das eigentlich zu Freunden. Während der Besuch von Frankreichs Präsident Macron bei Trump von Umarmungen und Küsschen geprägt war, beide Präsidenten eine Männerfreundschaft zu schließen schienen, wird es jetzt zu harten Diskussionen kommen.

Merkel muss versuchen, Trump von Schnellschüssen abzuhalten und ihn dazu zu bewegen, mit der EU über Zölle zu verhandeln. Das wird schwer werden. Trump ist bekannter Weise starrsinnig und wenig konziliant. Merkel muss gegenhalten und versuchen, dem Präsidenten klar zu machen, dass Handel immer ein Geschäft auf Gegenseitigkeit ist und dass auch die US-Bürger verlieren, wenn ihre Regierung einseitig Zölle erhebt.

Kommt es zu einem Handelskrieg zwischen Europa und den USA?

Wenn es der Kanzlerin nicht gelingt, den früheren Immobilien-Tycoon zu überzeugen, dann wird das für die deutsche Wirtschaft Folgen haben. Die Stimmung wird sich schlagartig verschlechtern, viele Unternehmen werden ihre Investitionspläne kritisch überprüfen und das eine oder andere Projekt auch streichen. Ein Handelskrieg zwischen Europa und den USA ist zwar eigentlich nicht vorstellbar – doch Trump ist zuzutrauen, dass er auch den riskieren würde, wenn er denkt, dass es ihm nützt.

Ein erfolgreiches Treffen ist nicht zu erwarten

Es gibt noch weitere Themen, bei denen der Präsident und die Kanzlerin verschiedener Meinung sind: Zum einen geht es um ein Festhalten an dem Atomabkommen mit dem Iran. Die Europäer wollen es weiterführen, Trump will aussteigen. Der US-Präsident kritisiert immer wieder die aus seiner Sicht zu geringen Rüstungsausgaben der Deutschen. Und er ist gegen den Bau der Ostsee-Pipeline „Nord Stream 2“, die russisches Gas nach Deutschland bringen soll.

Angesichts dieser vielen Konflikte ist ein aus deutscher Sicht erfolgreiches Treffen nicht zu erwarten. Es wäre schon ein Erfolg, wenn Trump sich auf Handelsgespräche einlassen würde.

Zuletzt aktualisiert: 21.09.2019, 00:18:20