Trump überrascht mit Putin-Einladung

Gepostet am 20.07.2018 um 10:00 Uhr

Nach dem Trump-Putin-Gipfel arbeiten Politiker aller Parteien in den USA daran, den entstandenen Schaden zu begrenzen. Umso überraschender ist es, dass Trump Putin nun nach Washington eingeladen hat. Von Katrin Brand.

Nach dem Trump-Putin-Gipfel arbeiten Politiker aller Parteien in den USA daran, den entstandenen Schaden zu begrenzen. Umso überraschender ist es, dass der US-Präsident Russlands Staatschef nun nach Washington eingeladen hat.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Der US-Geheimdienstkoordinator der USA, Dan Coats, wusste von nichts. Er saß entspannt in Aspen (Colorado) bei einer Sicherheitskonferenz auf einem Podium, als die Moderatorin plötzlich ihr Handy schaute. “Wladimir Putin kommt im Herbst nach Washington”, hieß die Eilmeldung. “Sagen Sie das nochmal”, sagte Coats. Aber er hatte es wohl schon beim ersten Mal verstanden. Der Rest ging in ungläubigem Gelächter unter.

Noch weiß niemand, was US-Präsident Donald Trump und der russischen Staatschef Putin in Helsinki wirklich besprochen haben. Auch Geheimdienstchef Coats weiß es nicht, wie er in Aspen sagte. Und dann lädt Trump den Mann, den viele für einen Feind der USA halten, in seine Hauptstadt ein. Es ist eine weitere Wendung in dem Spektakel zur US-amerikanischen Russlandpolitik, das Washington seit dem Treffen der beiden Präsidenten am Montag in Helsinki in Atem hält.

Knapp einer Blamage entgangen

Seit vier Tagen versucht Trump der Öffentlichkeit klarzumachen, dass der Gipfel aus seiner Sicht ein Erfolg war, während Politiker aller Parteien daran arbeiten, den Schaden zu begrenzen. So hatte Trump in Helsinki sehr erfreut reagiert, als Putin vorschlug, amerikanische Ermittler könnten in Russland dabei sein, wenn die jüngst angeklagten russischen Spione verhört würden. Das sei ein unglaubliches Angebot, sagte Trump.

Im Gegenzug allerdings sollten russische Ermittler amerikanische Staatsbürger verhören dürfen, darunter den früheren US-Botschafter in Russland, Michael McFaul. Während das Außenministerium diese Idee umgehend als absurd zurückwies, musste Trump erst nachdenken. Erst gestern Mittag kam dann die Nachricht: “Nein, nicht einverstanden.”

Damit entging das Weiße Haus nur knapp einer Blamage. Kurz drauf nämlich verabschiedete der Senat einstimmig eine Resolution, nach der amerikanische Funktionsträger nicht von ausländischen Regierungen befragt werden sollten.

Fragen in der republikanischen Partei

Zwar behauptete Trump nun in einem Interview, er gehe härter mit Russland um als viele Präsidenten seit Jahren, womöglich sogar jemals. Angesichts der Ereignisse in dieser Woche sieht sich der US-Präsident aber auch in seiner eigenen Partei vielen Fragen gegenüber. Warum kommt er dem russischen Staatschef so weit entgegen? Hat Putin etwas gegen ihn in der Hand? Geht es womöglich um Geld?

Der Republikaner und Abgeordnete im Repräsentantenhaus Mark Sanford sagte, was auffalle, sei doch, dass dieser Präsident – anderes als andere in den vergangenen 50 Jahren – seine Steuererklärung nicht vorgelegt habe. Vielleicht sei ja etwas darin, das ihn entlaste, so Sanford.

Trump gegen die Medien

Trump hingegen machte gestern nicht sich, sondern die Medien für die jüngste Krise verantwortlich. “Sie hassen die Tatsache, dass ich vielleicht eine gute Beziehung zu Russland haben werde”, schrieb er auf Twitter.

The Fake News Media wants so badly to see a major confrontation with Russia, even a confrontation that could lead to war. They are pushing so recklessly hard and hate the fact that I’ll probably have a good relationship with Putin. We are doing MUCH better than any other country! (19.07.2018 12:59 Uhr via Twitter)

Trump lädt Putin nach Washington ein – und was sonst noch geschah
Katrin Brand, ARD Washington
08:15:00 Uhr, 20.07.2018

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Juli 2018 um 10:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 14.11.2018, 21:15:39