Trump – Seit’ an Seit’ mit Syrien und Nicaragua

Gepostet am 01.06.2017 um 22:44 Uhr

Die USA haben mehr aufgekündigt als den Weltklimavertrag. Sie ziehen sich als Weltmacht mit Gestaltungswillen zurück, meint Tina Hassel. Präsident Trump bildet in Sachen Klima nun ein trauriges Triumvirat mit Syriens Diktator Assad und Erzfeind Nicaragua.

Die USA haben mehr aufgekündigt als den Weltklimavertrag. Sie ziehen sich als Weltmacht mit Gestaltungswillen zurück, meint Tina Hassel. Präsident Trump bildet in Sachen Klima nun ein trauriges Triumvirat mit Syriens Diktator Assad und Erzfeind Nicaragua.

Ein Kommentar von Tina Hassel, ARD-Hauptstadtstudio

Nein, es kam nicht überraschend. Und dennoch ist es bitter, die letzte Hoffnung aufgeben zu müssen, dass der 45. Präsident der Vereinigten Staaten doch noch irgendwie durch Argumente erreichbar ist.

Nur: die Welt ist keine Realityshow

Da flehen ihn in seltener Einigkeit Wirtschaftsbosse, Wissenschaftler, Militärs und die Mehrheit der Amerikaner an, das Klimaabkommen nicht aufzukündigen. Doch Trump bleibt Trump, inszeniert eine Mega Show und sagt: “Paris – you are fired”. Nur: die Welt ist keine Realityshow. Es gibt keinen “Planeten B”.

Heute haben die Hardliner gewonnen. Die Bannons und Millers. Sie drängen die USA zu einem einsamen Schritt. Seit’ an Seit’ nur mit dem syrischen Diktator Assad und Erzfeind Nicaragua. Was für ein trauriges Triumvirat!

Die Kuppel des Kapitols in Washington hinter zwei Schornsteinen des einzigen Kohlekraftwerks der US-Hauptstadt (Archivbild).

Fragen und Antworten

Die USA, das Klima und der Paris-Vertrag

Geht der Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag so einfach? Und was haben die USA nun mit Syrien und Nicaragua gemeinsam? | mehr

China wird sich Führungsposition nicht wieder nehmen lassen

Trump hat heute mehr aufgekündigt als nur das Abkommen von Paris. Die USA ziehen sich als Weltmacht mit globalem Gestaltungswillen zurück. Das Vakuum füllen andere. Und China wird sich die Führungsposition so schnell nicht wieder nehmen lassen.

“Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen”, hatte die Kanzlerin gesagt. Jetzt kommt es früher zum Schwur als es den Europäern lieb ist. Statt Selbstmitleid brauchen sie nun Selbstbewusstsein. Statt Reförmchen echte Reformen. Statt kleinlichem Streit endlich den gemeinsamen Willen zu globaler Führung. Nur dann können Europäer und Chinesen den Schaden zumindest begrenzen.

Eine Welt, die nicht nur in Siegern und Verlierern denkt

Amerikas Schwäche ist nun Fakt. Aber wird das zu europäischer Stärke führen? Hoffentlich. Denn es geht um viel mehr als nur um Klimaschutz. Es geht um eine Welt, in der Regeln und Schutz auch für Schwache gelten. Eine Welt, die nicht nur in Siegern und Verlierern denkt, sondern an gemeinsame Interessen glaubt. Sonst hätte Trump eine neue Weltordnung eingeleitet. Und die hieße nicht “America First”, sondern “Nach mir die Sintflut”. Ein entsetzliches, aber dann auch treffendes Bild.

Zuletzt aktualisiert: 23.10.2017, 15:25:56