Wird Cohen für Trump zum Problem?

Gepostet am 21.07.2018 um 10:51 Uhr

Hat Trump im Wahlkampf Schweigegeld an ein Playmate zahlen lassen? Zumindest beriet er darüber mit seinem Anwalt Cohen. Alle Beteiligten kämpfen nun um ihren Ruf und die Deutungshoheit. Von Katrin Brand.

Hat Trump im Wahlkampf Schweigegeld an ein Playmate zahlen lassen? Zumindest beriet er darüber mit seinem Anwalt Cohen. Alle Beteiligten kämpfen nun um ihren Ruf und die Deutungshoheit.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Die Russland-Affäre ist noch nicht ausgestanden, da kocht die Model-Affäre wieder hoch: Donald Trumps früherer Anwalt Michael Cohen hat heimlich ein Gespräch aufgezeichnet, in dem es um ein Schweigegeld für ein früheres Playboy-Model geht. Das berichtete zunächst die “New York Times”, andere Medien bestätigten die Geschichte.

Karen McDougal, Playmate des Jahres 1998, behauptet, sie habe im Jahr 2006 eine Affäre mit Trump gehabt. Er weist das zurück. McDougal hingegen sagt, das ganze habe zehn Monate gedauert, und sie hätten sich viele Dutzend Mal getroffen.

Das erzählte McDougal vor einigen Monaten dem CNN-Moderator Anderson Cooper. Im Wahljahr 2016 habe ein Zeitungsunternehmen ihr 150.000 Dollar gezahlt und sie zum Schweigen verpflichtet, die Geschichte sei aber nie veröffentlicht worden.

Der heimliche Mitschnitt von Ex-Anwalt Cohen ist offenbar zwei Monate vor der Wahl entstanden. In dem Gespräch überlegen Trump und Cohen angeblich, die Rechte an McDougals Geschichte selbst zu kaufen. Trump rate dazu, nicht bar, sondern mit einem Scheck zu bezahlen. Das bestätigt Rudy Giuliani, Trumps aktueller Rechtsbeistand.

Entlastung oder Belastung für Trump?

Giuliani sieht den Gesprächsmitschnitt als Beleg dafür, dass sein Klient gar nichts Verbotenes getan habe, da gar kein Geld geflossen sei. Das sei “mächtig entlastendes Beweismaterial”, wird Giuliani zitiert.

Diese Interpretation teilen nicht alle. Ted Lieu, ein Abgeordneter der Demokraten und ehemaliger Staatsanwalt, hat rechtliche Bedenken. Die Schweigegeldzahlung an McDougal mitten im Wahlkampf könnte ein schwerer Verstoß gegen die Gesetze zur Wahlkampffinanzierung sein, sagte Lieu bei CNN.

FBI-Ermittler in Cohens Büro?

Illegale Wahlkampfspende oder Geldwäsche? Darum könnte es also gehen. Doch selbst wenn sich dieser Fall als harmlos herausstellen sollte, muss er Trump beunruhigen. Cohen war als Anwalt jahrelang Trumps Ausputzer – er zahlte zum Beispiel das Schweigegeld an Stephanie Clifford, die unter ihrem Künstlernamen Stormy Daniels bekannt ist.

Cohen weiß sehr viel über seinen Ex-Chef. Und weil das FBI im Frühjahr Cohens Büro und Zuhause durchsuchte, wissen nun auch die Ermittler etwas.

Treffen mit Prediger Sharpton

Cohen selbst kämpft unterdessen um seine Glaubwürdigkeit. Früher habe er es als seine Aufgabe gesehen, Trump zu beschützen, nun stünden seine Familie und sein Land an erster Stelle. Er wolle in dieser Geschichte nicht der Schurke sein.

Gestern traf er sich in aller Öffentlichkeit mit Reverend Al Sharpton zum Frühstück. Der prominente Bürgerrechtler und Prediger gab dann Cohens Botschaft am Abend bei MSNBC weiter. “Was ich gespürt habe ist, dass er wirklich versucht, klarzumachen, dass er unabhängig ist und die Wahrheit sagen will – was immer die Wahrheit ist,” schilderte Sharpton seine Eindrücke.  

Was immer die Wahrheit ist. Diese Woche hat mehr Fragen als Klarheit gebracht.

Zuletzt aktualisiert: 15.11.2018, 11:17:47