Tilman Kuban, frisch gewählter Vorsitzender der Jungen Union

Tilman Kuban – ein forscher Vorsitzender für die Junge Union

Gepostet am 18.03.2019 um 11:45 Uhr

Mit einer populistischen Rede hat Tilman Kuban die Wahl zum Vorsitzenden der Jungen Union für sich entschieden. Seine Provokationen waren vielleicht mitreißend, aber er könnte der JU schaden, kommentiert Uwe Lueb.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – so auch bei der Jungen Union am Wochenende. Stefan Gruhner hatte mitgliederstarke Landesverbände hinter sich – und hätte daher eigentlich das Rennen machen müssen. Doch offensichtlich haben sich die Delegierten die Freiheit der Wahl genommen und anders entschieden als erwartet. Etliche sind der Linie ihres Landesverbandes nicht gefolgt. Und so fährt Tilman Kuban einen beachtlichen Erfolg ein.

Den Ausschlag dürfte seine Bewerbungsrede gegeben haben. Sie war reißerisch, laut und provozierend: Der Juso-Vorsitzende Kühnert, der sich für günstige Mieten engagiert, solle sein Studium abschließen, dann könne er sich eine eigene Wohnung leisten – ruft Kuban, unmittelbar nach einem Hohelied auf die duale Ausbildung. Viele Facharbeiter können sich allerdings keine Wohnung in den Städten mehr leisten. Für die Freiheit im Internet will Kuban „bis zur letzten Patrone“ kämpfen, Verteidigungsministerin von der Leyen habe mehr Kinder als die Luftwaffe einsatzbereite Flugzeuge. Und in Bezug auf den verrutschten Dritte-Geschlecht-Faschingswitz von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer spottet er, im politisch linken Spektrum kümmere man sich um das „dritte bis 312. Geschlecht“ – aber eben nicht ums Wesentliche usw.

Rabaukig und populistisch

Wenn Kramp-Karrenbauer die CDU weiter nach rechts rückt, dann tut Kuban das Seinige mit der JU. Die Junge Union hat einen so forschen Vorsitzenden bekommen wie lange nicht. Sogar Äußerungen wie die des früheren Vorsitzenden Mißfelder über nicht mehr zu zahlende Hüft-OPs bei 85-jährigen entfallen einem, wenn man Kuban hört. Er hat was Rabaukiges, Populistisches. Man wird weiter von ihm hören – ob einem das dann gefällt, muss jeder für sich entscheiden.

Der Jungen Union tut er aber womöglich nicht gut. Kuban kommt aus Niedersachsen. Für die anstehenden Wahlkämpfe in Ostdeutschland und den Regionalproporz wäre der Thüringer Gruhner der Bessere gewesen. Zudem hat Kuban einen ziemlichen Spagat vor sich. Aller Voraussicht nach wird er Ende Mai ins Europaparlament einziehen. Sein Arbeitsplatz wird in Brüssel und Straßburg sein. Doch als JU-Vorsitzender muss er mindestens genauso in Berlin präsent sein.

Kuban vermittelt durchaus den Eindruck, dass er das schaffen kann. Aber es kommt eine schwere Doppelbelastung auf ihn zu. Das wäre Gruhner von Erfurt aus leichter gefallen. Auch er steht für einige sehr konservative, rechte Positionen. Doch für die Junge Union als treibende politisch ernst zu nehmende Kraft für CDU und CSU wäre er – der besonnener Wirkende – wahrscheinlich glaubwürdiger. Bleibt Kuban so populistisch wie in seiner Wahlrede, hätte den möglichen Schaden davon nicht nur er – sondern die JU insgesamt.

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2019, 08:24:24