Ein bisschen Tierwohl

Gepostet am 06.02.2019 um 00:58 Uhr

Seit Jahren wird um ein staatliches Label in der Nutztierhaltung gerungen. Heute stellt Ministerin Klöckner ihr „Tierwohl-Label“ vor. Tierschützern reicht das nicht. Von Martin Mair.

Seit Jahren wird um ein staatliches Label in der Nutztierhaltung gerungen. Heute stellt Ministerin Klöckner ihr „Tierwohl-Label“ vor. Tierschützern reicht das nicht.

Von Martin Mair, BR

Drei Qualitätsstufen sind beim neuen staatlichen „Tierwohl-Label“ geplant, das zunächst nur für Schweinefleisch gilt. Bereits die niedrigste schreibt nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums Haltungsbedingungen vor, die über den gesetzlichen Mindeststandards liegen.

Schweine sollen zum Beispiel mehr Platz im Stall haben und größere Schlafzonen bekommen. Auch beim Schlachten sind die Vorgaben strenger, als im Gesetz vorgeschrieben. Und auch beim Transport der Tiere zum Schlachthof sind die Vorschriften strenger: Er darf maximal acht Stunden dauern. Insgesamt listet das Label ein gutes Dutzend Regeln auf, deren Einhaltung verbindlich ist – die Kennzeichnung selbst bleibt freiwillig.

Kunden sollen Fleisch besser vergleichen können

Sinn des „Tierwohl-Labels“ ist es, den Bauern dabei zu helfen, Fleisch aus besserer Haltung einfacher zu verkaufen. Das Landwirtschaftsministerium rechnet damit, dass Schweinefleisch in der Einstiegsstufe etwa 20 Prozent mehr kostet. Vorteil für den Verbraucher sei, dass Kunden wegen des einheitlichen Labels besser vergleichen könnten.

Schon Julia Klöckners Vorgänger Christian Schmidt hat sich daran versucht, doch erst jetzt gibt es einen Kompromiss. Aktuell setzen viele Supermarktketten auf eigene Kennzeichnungen mit unterschiedlichen Standards für Haltung und Schlachtung.

Für Tierschützer sind Kriterien zu lasch

Tierschützer begrüßen grundsätzlich, dass es ein einheitliches Label gibt. „Allerdings sind einige Kriterien gerade in der ersten Stufe ungenügend“, so Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Und auch die freiwillige Kennzeichnung steht in der Kritik.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte, „die Masse an Gütesiegeln in Deutschland verwirrt, statt Kunden zu nutzen.“ Für das Tierwohl bringe Klöckners Label zu wenig. Dagegen verteidigte Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber die Kennzeichnungspläne. Die CSU-Politikerin sei „überzeugt davon, dass ein staatlich geprüftes Label mehr Sicherheit und mehr Vertrauen“ schaffe, sagte sie dem BR.

Bayerischer Bauernverband will lockerere Regeln

Der Bayerische Bauernverband dagegen ist doppelt unzufrieden. Er fordert einerseits, dass es eine verpflichtende Kennzeichnung von Tierwohl und Herkunft gibt – allerdings nicht zu den Standards des geplanten Labels. „Dabei erscheinen uns vor allem die geplanten Kriterien beim Schwein vor allem in der Einstiegsstufe zu hoch“, so der Verbandssprecher Markus Peters.

Neuer Anlauf für Tierwohllabel: Klöckner präsentierte erste Standards
Martin Mair, ARD Berlin
21:15:00 Uhr, 05.02.2019

Zuletzt aktualisiert: 21.03.2019, 23:35:36