Thomas Haldenwang, der Anti-Maaßen?

Gepostet am 07.11.2018 um 15:53 Uhr

Thomas Haldenwang übernimmt das Amt des Verfassungschutzpräsidenten. Sabine Müller hat den bisherigen Stellvertreter von Hans-Georg Maaßen beobachtet.

Thomas Haldenwang sei der „Anti-Maaßen“ – das hört man in Berlin öfter. Und der erste Eindruck untermauert das. Wo Hans-Georg Maaßen im dreiteilen Anzug immer steif und eher unnahbar wirkte, kommt der 58-jährige Wuppertaler Haldenwang lockerer rüber, oft umspielt ein feines Lächeln seine Mundwinkel. Wo Maaßen gerne herablassend durch seine winzige, goldene Nickelbrille schaute, zwinkern Haldenwangs Augen unterm grauen Bürstenhaarschnitt freundlich. Und Sätze wie diesen hätte man von Hans-Georg Maaßen wohl nie gehört:

“Was ich auch gerne noch kurz anmerken möchte, weil ich da nicht zu Wort kam…”

Wenn Maaßen in Diskussionen zu Wort kommen wollte, dann kam er auch zu Wort – und zwar sofort. Thomas Haldenwang ist zurückhaltender, gilt als unkompliziert und uneitel und das kommt an. Anders als sein Vorgänger polarisiert er nicht, lobt der FDP-Geheimdienstkontrolleur Stephan Thomae.

Haldenwang verfolge anders als Maaßen keine politische Agenda, wird betont – was nicht heißt, dass er keine politischen Ansichten hätte. Haldenwang ist CDU-Mitglied und steht dazu. Was den Verfassungsschutz angeht, scheint Haldenwang in vielen Fragen ganz auf einer Linie mit Maaßen, mit dem er jahrelang eng zusammengearbeitet hat. Zum Beispiel sagt er wie Maaßen, bessere finanzielle und personelle Ausstattung für den Geheimdienst – schön und gut, aber das reiche nicht:

“Wir können natürlich von Geld eine ganze Menge kaufen, aber was wir vor allen Dingen brauchen, das sind gesetzliche Befugnisse.”

Vor allem bei der Telekommunikationsüberwachung. Um den „Bösen“ auf die Schliche zu kommen:

“Bei uns boomt es zur Zeit in allen Geschäftsfeldern, es ist ja nicht nur der islamistische Terrorismus, sondern auch die Spionageabwehr, Links-, Rechtsextremismus.”

Ist Haldenwang also inhaltlich ganz Maaßen-Mann, setzt dessen Linie 1:1 fort? In einer sehr wichtigen Frage, bei der in den nächsten Wochen eine Klärung ansteht, denkt er vielleicht anders als sein bisheriger Chef. Es geht um die Entscheidung, ob die AfD vom Verfassungsschutz beobachtet werden soll.

Hans-Georg Maaßen war da sehr zurückhaltend – so zurückhaltend, dass sich Verfassungsschützer aus den Ländern schon beschwerten. Thomas Haldenwang hat sich öffentlich bisher bedeckt gehalten. Aber intern, heißt es, habe er sich offener gezeigt als Maaßen, den Schritt Richtung AfD-Beobachtung zu gehen.

Zuletzt aktualisiert: 15.11.2018, 15:32:41