Was ist über Ashraf al T. bekannt?

Gepostet am 03.11.2016 um 19:03 Uhr

Ashraf al T. heißt der Mann, der in Berlin unter Terrorverdacht festgenommen wurde. Er behauptet, Syrer zu sein, ist aber wohl Tunesier. Die Bundesanwaltschaft beantragte am Abend Haftbefehl. ARD-Terrorismusexperte Götschenberg fasst zusammen, was bekannt ist.

Ashraf al T. heißt der Mann, der in Berlin unter Terrorverdacht festgenommen wurde. Er behauptet, Syrer zu sein, ist aber wohl Tunesier. Die Bundesanwaltschaft beantragte am Abend Haftbefehl.

Von Michael Götschenberg, ARD-Terrorismusexperte

Im Oktober vergangenen Jahres kam Ashraf al T. nach Deutschland. Er behauptete, er sei syrischer Flüchtling, tatsächlich scheint er aber Tunesier zu sein, heißt es in Ermittlerkreisen. Die Sicherheitsbehörden wurden Mitte Oktober auf ihn aufmerksam. Ein nachrichtendienstlicher Hinweis aus dem Ausland brachte den Verfassungsschutz auf seine Spur.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz observierte Ashraf al T. und überwachte seine Kommunikation, der Fall wurde nach Informationen des rbb Inforadios im „Gemeinsamen Terrorismus Abwehr-Zentrum“ in Berlin-Treptow (GTAZ) besprochen und bewertet.

Dann erhielt der Verfassungsschutz nach rbb-Informationen am Dienstagabend einen weiteren Hinweis aus dem Ausland, der befürchten ließ, ein Anschlag könne unmittelbar bevorstehen. Am darauffolgenden Tag wurde der Fall an die Berliner Polizei übergeben, die kein Risiko eingehen wollte und am Abend zugriff: al T. wurde in einer Wohnung in Berlin Schöneberg festgenommen.

Bundesanwaltschaft prüft mögliche Verbindung zum IS
tagesschau24 16:07:00 Uhr, 03.11.2016

Kein Sprengstoff gefunden

Sprengstoff wurde nicht gefunden, doch den braucht man für einen Anschlag auch nicht. Der Anschlag am 14. Juli dieses Jahres in Nizza hat gezeigt, welch verheerende Wirkung sich erzielen lässt, wenn ein Lkw zur Waffe wird.

In Deutschland wurden mehrere Menschen verletzt, als sie ein Attentäter in einem Regionalzug bei Würzburg mit einer Axt angriff – einige von ihnen schwer. Riaz Khan Ahmadzai war als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen, hatte über das Internet Kontakt zu Personen beim IS gehabt und war bei der Planung seines Anschlags von diesen angeleitet worden.

Anschlag nach dem Muster von Würzburg?

Um ein derartiges Anschlagsszenario soll es auch im Falle des 27-Jährigen gegangen sein, der gestern Abend in Berlin festgenommen wurde. Welche Verbindungen al T. zum IS hatte, ob diese bereits vor seiner Reise nach Deutschland bestanden, oder ob er erst hier Kontakt zum IS aufgenommen hat, das wird zurzeit noch ermittelt. Die Bundesanwaltschaft beantragte am Abend beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs den Erlass eines Haftbefehls gegen al T.

Eine Verbindung zum Fall al Bakr gibt es, zumindest nach bisherigem Ermittlungsstand, nicht. Dschaber al Bakr wollte mutmaßlich einen Anschlag am Berliner Flughafen Tegel verüben, den Sprengstoff dafür hatte er bereits in einer Chemnitzer Wohnung zusammengerührt. Ein SEK des sächsischen Landeskriminalamts hatte am 8. Oktober vergeblich versucht, ihn festzunehmen. Nachdem er schließlich am 10. Oktober von syrischen Flüchtlingen an die Polizei übergeben worden war, erhängte sich al Bakr zwei Tage später in seiner Zelle in einer Leipziger Justizvollzugsanstalt.

Während die Ermittler davon ausgehen, dass al Bakr kurz davor war, seinen mutmaßlichen Anschlagsplan in die Tat umzusetzen, ist der Fall des 27-jährigen Ashraf al T. nicht so eindeutig. Die Frage ist, ob es den Ermittlern gelingt, ihm den Anschlagsplan und den IS-Bezug nachzuweisen – denn nachrichtendienstliche Hinweise aus dem Ausland alleine reichen vor Gericht nicht.

Terrorverdacht in Berlin
M. Götschenberg, ARD Berlin
18:44:00 Uhr, 03.11.2016

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. November 2016 um 09:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 04:49:07