Kooperative Geheimdienste – wachsame Flüchtlinge

Gepostet am 10.10.2016 um 18:42 Uhr

Die Pläne des Terrorverdächtigen Al-Bakr waren schon sehr weit fortgeschritten. Dass es nicht zur Katastrophe kam, liegt zum einen am funktionierenden Austausch der internationalen Geheimdienste – aber auch an der Wachsamkeit vieler Flüchtlinge. Von M. Götschenberg.

Die Pläne des Terrorverdächtigen al-Bakr waren schon sehr weit fortgeschritten. Dass es nicht zur Katastrophe kam, liegt zum einen am funktionierenden Austausch der internationalen Geheimdienste – aber auch an der Wachsamkeit vieler Flüchtlinge.

Von Michael Götschenberg, ARD-Terrorismusexperte

500 Gramm hochexplosiver Sprengstoff in einer Chemnitzer Wohnung – da hätte nicht viel gefehlt. Der mutmaßliche Anschlagsplan eines 22-jährigen Syrers macht deutlich, wie konkret die Bedrohung durch den islamistisch motivierten Terrorismus auch bei uns ist.

Dschaber Al-Bakr hatte so ziemlich alles, was er brauchte, um einen Anschlag mit verheerender Wirkung zu begehen. So nah dran an einer Katastrophe war Deutschland in den letzten Jahren wohl noch nicht. Das macht deutlich, wie brisant dieser Fall ist.

Internationale Zusammenarbeit funktioniert

Al-Bakr war deutlich weiter in seinen Vorbereitungen als alle anderen Terrorverdächtigen, die in diesem Jahr bereits von den Sicherheitsbehörden identifiziert und verhaftet wurden. Dabei sind die Sicherheitsbehörden zurzeit ziemlich gut darin, Terrorverdächtige aufzuspüren. Die Geheimdienste spielen dabei eine zentrale Rolle. Das sollten all diejenigen zur Kenntnis nehmen, die meinen, sie wären auf die Dienste und ihre Erkenntnisse nicht angewiesen.

Auch in diesem Fall soll es Hinweise von ausländischen Nachrichtendiensten gegeben haben, die das Bundesamt für Verfassungsschutz auf die Spur Al-Bakrs gebracht haben. Die internationale Zusammenarbeit der Geheimdienste – immer wieder kritisiert – ist beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus so schlecht nicht.

Und bei uns? Der Verfassungsschutz hat bei der Identifizierung und Lokalisierung Al-Bakrs sehr professionell gearbeitet. Man sollte sich damit zurückhalten, die Bewältigung von Terrorlagen vom grünen Tisch aus vorzunehmen.

Flüchtlinge sind sehr wachsam

Dennoch: die sächsische Polizei wird wenig Beifall für ihre vergeblichen Versuche bekommen, Al-Bakr festzunehmen. Dass man ihn schließlich gefasst hat, ist vor allem der Aufmerksamkeit und dem Mut syrischer Landsleute zu danken. Das sollten sich all jene bewusstmachen, die diesen Fall zum Anlass nehmen wollen, jeden Flüchtling für einen potenziellen Terroristen zu halten.

Ja, es gibt Terrorverdächtige unter den Flüchtlingen, aber es sind sehr, sehr wenige. Und die Festnahme al-Bakres macht deutlich, wie die Flüchtlinge selbst zum Terror stehen. Sie sind sehr wachsam, wenn es darum geht, wer da alles mit ihnen ins Land gekommen ist.

Aus den Flüchtlingsunterkünften und auch aus Moscheen haben die Sicherheitsbehörden in den vergangenen Monaten hunderte Hinweise auf Verdächtige bekommen. Diese erweisen sich in den allermeisten Fällen als gegenstandslos, sind aber ein Beleg dafür, dass die Flüchtlinge mit diesen Leuten nichts zu tun haben wollen.

Zuletzt aktualisiert: 16.07.2018, 12:23:25