Tag der Freundschaft: Gibt’s das auch unter Politikern?

Gepostet am 30.07.2018 um 12:11 Uhr

Freundschaften in der Politik gibt es durchaus. Manche werden medienträchtig zelebriert und sind Teil der Politik. Andere gehen tiefer, halten lang und das sogar über Parteigrenzen hinweg. Ein Blick auf die deutsche Politik zum Internationalen Tag der Freundschaft.

„Um 2:12 Uhr waren wir mit der Arbeit fertig, um 2:25 Uhr sagen wir Horst und Guido zueinander. Das ist der Beginn einer großen Freundschaft….“ (Guido Westerwelle über sein Verhältnis zu Horst Seehofer)

…oder zumindest der Wunschkoalition zwischen Union und FDP, damals, im Herbst 2009. Gute Laune bei den Parteichefs Horst Seehofer, Angela Merkel und Guido Westerwelle – auch wenn Seehofers Lächeln bei Westerwelles Spruch eher verhalten ausfiel. Die schwarz-gelbe Harmonie währte denn auch nicht lange, gerade mit der CSU lag die FDP in den Folgemonaten oft so überhaupt nicht auf einer Wellenlänge.
Weitaus stabiler waren da Freundschaften von Bundeskanzler Helmut Kohl. Mit dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow etwa – legendär die Spaziergänge im Kaukasus, bei denen „Mischa und Gelmut“ die letzten Hürden für die Deutsche Wiedervereinigung abräumten. Oder die Verbindung zum französischen Staatspräsidenten Francois Mitterand – über den Kohl später in der Rückschau sagte: wir hatten eigentlich wenig Gemeinsamkeiten.

„Wir waren 15 Jahre auseinander, er war Sozialist, ich Christdemokrat. Er war Francois le Grand, in der Nähe vom Olymp. Und ich ein Dahergelaufener aus dem Rheintal.“ (Helmut Kohl über Francois Mitterand)

Doch Kohl und Mitterand einte die Vorstellung von einem gemeinsamen Europa. Als sich die beiden Staatsmänner beim Gedenken in Verdun an den Händen fassten, ging dieses Bild um die Welt. Ein Symbol für die deutsch-französische Aussöhnung.

Gemeinsame Werte und politische Allianzen

Freundschaften auf dieser internationalen Ebene sind meist Ausdruck von gemeinsamen Werten und politischen Allianzen. Das tiefe Gefühl, sich vertrauen zu können, muss wachsen – und manchmal verträgt es sich so gar nicht mit den hierarchischen Strukturen, mit der Macht. So wurden aus so manchen Freunden Gegner, Kohl und seinem langjährigen Vertrauten Wolfgang Schäuble etwa. Auch in der SPD ließ sich nach der Wahlschlappe im vergangenen Herbst gut sehen, dass der flotte Spruch von der Steigerungs¬formel „Freund – Feind – Parteifreund“ durchaus seine Berechtigung hat.

Der glücklose Sigmar Gabriel musste als Parteichef und Außenminister gehen und trat in Zeitungsinterviews nach. Auch gegen den ehemals guten Freund Martin Schulz. Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, versuchte das so zu erklären: „Naja, Sigmar Gabriel ist wie er ist. Er war gern Parteivorsitzender und es ist immer schwer, wenn man irgendwann Macht verliert und in dem Prozess sind wir gerade.“

Paradebeispiel für Gegensätzlichkeit

Und dann – gibt es Freundschaften zwischen Politikern, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Das Paradebeispiel: Der bayerische CSU-Politiker Günther Beckstein und die Grünen-Abgeordnete Claudia Roth. Er als Hardliner gerade in Sicherheitsfragen bekannt, sie gern als zu emotional abgetan. Bei einem gemeinsamen Essen im Januar für eine Sendung im Bayerischen Fernsehen erinnern sie sich, wie es anfing. Damals, als Beckstein Ministerpräsident werden wollte und Roth das Du anbot:

„Und ich bin in Schockstarre, und hab gesagt: Aber Sie wollen doch was werden. – Das hat in beiden Parteien zu Irritationen gesorgt. – Wenn man mit Leuten spricht, die alle die selbe Meinung haben, ist das doch todlangweilig.“ (Claudia Roth über die Anfänge ihrer Freundschaft mit Günther Beckstein)

In der Sache streiten sie weiter, sagen Beckstein und Roth. Das Leben brauche ein gewisses Spannungsfeld. Aber eben auch Freunde, auf die man sich verlassen kann.

Zuletzt aktualisiert: 17.11.2018, 14:41:18