Die Politik macht keine Pause

Gepostet am 02.02.2020 um 03:34 Uhr

Auch das größte Sportereignis der USA wird vom Wahlkampf nicht verschont. Beim Super Bowl in der kommenden Nacht wollen mehrere Politiker die Gunst der Football-Fans gewinnen. Von Katrin Brand.

Auch das größte Sportereignis der USA wird vom Wahlkampf nicht verschont. Beim Super Bowl wollen mehrere Politiker die Gunst der Football-Fans gewinnen. Auch die NFL meldet sich mit einer politischen Botschaft.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Nancy Pelosi kann sehr streng sein. Geht es aber um Football, wird die 79-Jährige beinahe albern. Die Chefin der Demokraten im Abgeordnetenhaus kommt aus Kalifornien, ist Fan der San Francisco 49ers, die Familie hat Dauerkarten.

Und am Super-Sonntag? Sie habe einen Termin in Florida an dem Wochenende, also für sie sei alles in Ordnung, erzählte sie neulich. Und überhaupt: „Es ist toll, weil es uns so vereint. Vergesst die Politik, es geht nur ums Team. Und wir glauben, das wir alle zum Team USA gehören.“

Zehn Millionen Euro für 60 Sekunden Werbung

Von wegen. Dieser Super Bowl dürfte politischer werden als je zuvor. Es ist Wahljahr, der Präsident heißt Donald Trump, und er hat die Football-Fans als Zielgruppe ausgemacht. Gerade erst waren die umjubelten Sieger der College Football-Meisterschaft zu Gast im Weißen Haus – die Gelegenheit zum Schulterschluss: „Es gibt eine Menge gute Politiker hier, aber er respektiere die Footballer wirklich deutlich mehr.“

Kein Entkommen vor der Politik gibt es auch am Super-Sonntag. Der Sender Fox überträgt das Spiel und strahlt kurz vorher ein Interview mit dem Präsidenten aus. Dieses Pregame-Interview haben auch andere Präsidenten genutzt. Aber die Stichworte gibt ausgerechnet Sean Hannity, ein leidenschaftlicher Unterstützer und Berater des Präsidenten. Kritische Fragen sind nicht zu erwarten.

Beim Spiel selbst hat sich Trump eine Minute Werbezeit für rund zehn Millionen Euro gesichert. So wie auch Michael Bloomberg. Der frühere Bürgermeister von New York möchte Präsidentschaftskandidat der Demokraten werden und kündigt einen sehr ernsthaften Spot an. Mit all den Zuschauern und der Extra-Berichterstattung sei es das Geld wert, sagte Bloomberg in der „Tonight Show“.

Pink singt die Nationalhymne

Super Bowl

Stehende Sportler

Beim Super Bowl sind die NFL-Profis bei der Nationalhymne stehen geblieben. | mehr

NFL gegen Polizeigewalt

Hochpolitisch ist auch der Spot, den die Football-Liga NFL selbst schalten wird. Es geht um Rassismus und Polizeigewalt. Ex-Profi Anquan Boldin, ein Afroamerikaner, erzählt im Werbespot, wie sein Cousin Corey grundlos von einem Polizisten erschossen wird. Und er erzählt, dass die NFL Polizeigewalt gegen Schwarze zu ihrem Thema gemacht hat. „Hätten wir das nicht gemacht, wäre Coreys Tod umsonst gewesen. Der beste Weg, etwas zu verändern, ist sich selbst zu verändern.“

Doch hat die NFL sich verändert? Das könnte Colin Kaepernick jetzt fragen. Er war es, der vor sieben Jahren die 49ers als Quarterback zuletzt in den Super Bowl führte. Und er war es, der vor vier Jahren den Hymnen-Protest anführte und sich hinkniete, um auf Polizeigewalt gegen Schwarze aufmerksam zu machen. Keiner der 32 Football-Clubs hatte danach noch einen Job für ihn, aber immerhin: Er hat die Liga tatsächlich verändert.

Zuletzt aktualisiert: 30.09.2020, 21:09:07