Sechs Erkenntnisse der Wahlnacht

Gepostet am 04.03.2020 um 07:17 Uhr

Nach dem „Super Tuesday“ ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten offen. Zu den Erkenntnissen der Nacht gehört, dass sich Trump als Sieger und Bloomberg als Verlierer fühlen kann. Von Katrin Brand.

Nach dem „Super Tuesday“ ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten offen. Zu den Erkenntnissen der Nacht gehört, dass sich Trump als Sieger und Bloomberg als Verlierer fühlen kann.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Bisher war es eine überraschende Nacht. In 14 US-Bundesstaaten wurde abgestimmt, wer für die Demokraten in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen soll. Bernie Sanders ging als Favorit ins Rennen, Joe Biden hatte zuletzt in South Carolina gut abgeschnitten, Mike Bloomberg trat zum ersten Mal überhaupt an, Elizabeth Warren kämpfte um ihr politisches Überleben, und andere wie Pete Buttigieg und Amy Klobuchar waren schon ausgestiegen.

Noch fehlen Texas und Kalifornien, in beiden Staaten könnte Sanders vorne liegen. Das sind die ersten Erkenntnisse aus der Nacht:

1. Erfolg macht erfolgreich

Es ist erst ein paar Tage her, da war Bidens Kampagne so gut wie tot. Der frühere Vizepräsident von Barack Obama, ein Mann von fast 80 Jahren, galt zwar bei den landesweiten Umfragen als derjenige, der am ehesten Donald Trump schlagen könnte. Biden hatte aber bei den ersten Vorwahlen erschreckend schlecht angeschnitten. So schlecht, dass sich die Experten fragten, wann der alte Herr wohl einsehen würde, dass er für einen jüngeren Kandidaten wie Buttigieg Platz machen müsste. Oder für eine Frau wie Klobuchar.

Seit den Vorwahlen in South Carolina am vorigen Samstag ist alles anders. Dort hat Biden mit den Stimmen der Afroamerikaner so deutlich gewonnen, dass nun Buttigieg und Klobuchar die Kandidaten von gestern sind. Biden hingegen hat am „Super Tuesday“ auf einer Welle des Erfolgs reitend wenigstens acht Bundesstaaten gewonnen und wichtige Delegiertenstimmen eingesammelt.

Der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden.

„Super Tuesday“

+++ Biden in Texas vorn +++ Sanders führt in Kalifornien +++

In drei Staaten stehen die Vorwahl-Ergebnisse der Demokraten noch aus. | mehr

2. Geld gewinnt keine Wahlen

Irgendwann in dieser Nacht könnte Bloomberg klar geworden sein, dass er Hunderte Millionen Dollar verbrannt hat. All das schöne Geld hat er in den vergangenen Wochen in Werbung gesteckt, ohne dass er am „Super Tuesday“ auch nur in die Nähe der Nominierung gelangen konnte. Lediglich im Außengebiet Amerikanisch-Samoa gewann er ein paar Delegiertenstimmen.

Seine Dauerwerbesendung in eigener Sache hat ihn allerdings so bekannt gemacht, dass er genug Stimmen holen kann, um Biden weh zu tun. Beide bemühen sich um die Mitte der Wählerschaft, die Trump unbedingt absetzen möchte, beim Wort Sozialismus aber zusammenzuckt. Wenn Bloomberg nicht einsieht, dass Biden die besseren Chancen hat, dann wird er Biden an den nächsten Wahlterminen womöglich wichtige Delegiertenstimmen abnehmen. Und dann könnte am Ende keiner der beiden, sondern Sanders zum Kandidaten gekürt werden.

3. Nicht die Zahl der gewonnenen Staaten ist wichtig, sondern die Zahl der Delegierten

Die Landkarte sieht zum Ende dieser Nacht sehr beeindruckend für Biden aus. Von den 14 Staaten, die zur Wahl gegangen sind, hat er bisher acht gewonnen, Sanders nur drei. Das sagt aber wenig über Gewinner und Verlierer aus. Denn wichtig waren die Delegierten und die verteilten sich nach den Stimmanteilen. Und so war es im Laufe der Nacht ein Kopf-an Kopf-Rennen der beiden. Und wenn Sanders sich in den großen Staaten Kalifornien und Texas deutlich vor Biden setzt, kann er viele Delegiertenstimmen holen und das Bild deutlich verändern.

Neben dem Kapitol in Washington weht eine US-Flagge

Ergebnisse der US-Vorwahlen

Die Sieger des „Super Tuesday“

Wer setzt sich im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur ab? Die Ergebnisse des Super Tuesday. | mehr

4. Der nächste Präsident der USA wird ein wohlhabender alter weißer Mann sein

Das ist keine Wertung, sondern eine Tatsachenbeschreibung. Zwei weiße Männer, die auf die 80 zugehen und zudem gut betucht sind, wollen einen etwas jüngeren weißen Mann absetzen, der sich entgegen allen Gepflogenheiten bisher geweigert hat, seine Steuererklärung vorzulegen, mutmaßlich aber sehr reich ist. Alle drei sind sehr überzeugt davon, dass sie der jeweils beste Präsident für ein Land sind, in dem es mehr Frauen als Männer gibt und in dem es bald mehr Latinos, Menschen asiatischer Abstammung und Afroamerikaner als Weiße geben wird.

5. Der nächste Präsident der USA wird Donald Trump heißen

Noch ist noch alles ausgezählt, aber es sieht sehr danach, dass dieser „Super Tuesday“ zwar eine Trendmeldung, aber keine Vorentscheidung bei den Demokraten gebracht hat. Wenn es schlecht kommt und keiner der Bewerber die nötige Mehrheit an Delegiertenstimmen bekommt, wird der Spitzenkandidat erst beim Parteitag im Juli nominiert. Und wenn es richtig schlecht kommt, gibt es dort eine Kampfabstimmung nach einem langen, schmutzigen, innerparteilichen Gefecht, an dessen Ende sich mögliche Wähler ermüdet und angeekelt abwenden. Wer aber nicht wählen geht, wählt Trump. Denn der Präsident hat die vergangenen Monate gut genutzt, um seine Anhänger zu mobilisieren.

Ein Wähler gibt bei den Vorwahlen in New Hampshire seine Stimme ab.

Die wichtigsten Ereignisse

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6. Nach dem „Super Tuesday“ ist vor dem „Super Tuesday“

An diesem Dienstag war mehr als ein Drittel der Delegiertenstimmen zu holen, kein Tag der Vorwahlen wird so vollgepackt sein wie dieser Tag. Das heißt aber auch: Fast zwei Drittel der Stimmen sind noch auf dem Markt, viele weitere wichtige Entscheidungen werden kommen. Am 17. März stimmt Florida ab (219 Delegierte), am 28. April New York (274) und Pennsylvania (186). Der Nominierungsparteitag findet dann vom 13. bis 16. Juli in Milwaukee statt.

US-Vorwahlen: Ausgangslage am „Super Tuesday“
Katrin Brand, ARD Washington
06:28:00 Uhr, 04.03.2020

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. März 2020 um 07:30 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 31.10.2020, 07:53:57