Stichwort: Was ist Resettlement?

Gepostet am 03.04.2018 um 15:30 Uhr

Israel will Flüchtlinge aus Afrika loswerden. Auch nach Deutschland sollen einige der 16.000 Menschen „resettled“, also umgesiedelt werden. Diese Meldung ging gestern um die Welt – Israels Regierungschef Netanjahu hatte das verkündet. Heute hat er den ganzen Deal schon wieder abgesagt. Trotzdem bleibt die Frage: Was ist das eigentlich, ein Resettlement-Programm? Und was hat Deutschland damit zu tun? Marcel Heberlein erklärt es.

Wenn Geflüchtete „resettled“, also umgesiedelt werden, dann deshalb, weil sie an einen Ort geflüchtet sind, an dem sie wie in ihrem Heimatland schlecht behandelt werden. Zum Beispiel: Jemand wird in Nigeria verfolgt, weil er schwul ist. Er flieht in ein Nachbarland. Aber auch dort wird er aus dem gleichen Grund angefeindet. Menschen, denen das widerfährt, vermittelt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen weiter. Und zwar an Länder, die bereit sind, diesen Flüchtlingen dauerhaft eine neue Heimat zu geben.

Deutschland auf Platz 6

Deutschland hat im letzten Jahr durch alle Resettlement- und Aufnahme-Programme der Vereinten Nationen 3.000 Menschen aufgenommen, die meisten davon Syrer. Damit lagen wir weltweit auf Platz 6. Auf Platz 1 war die USA, die fast 25.000 Geflüchteten eine neue Heimat gab.

Wichtige Bedingung dabei: Nur, wer schon offiziell als Flüchtling anerkannt ist, darf am UNO-Programm teilnehmen. Bevorzugt kommen Menschen dran, die besonders bedürftig sind. Eine 40-Jährige Witwe mit vier Kindern hätte also bessere Chancen als ein alleinstehender 20-Jähriger Mann. Bevor die Menschen nach Deutschland kommen, fliegen deutsche Beamte in der Regel in ihr Aufenthaltsland, reden mit ihnen und checken, ob alle Daten stimmen. Nach einer weiteren Überprüfung durch die Sicherheitsbehörden organisiert Deutschland die Reise für die Flüchtlinge. Sie besitzen in Deutschland sofort eine Arbeitserlaubnis, haben Anspruch auf einen Integrationskurs. Finden sie keinen Job, steht ihnen der Hartz-IV-Satz zu.

Internationale Hilfsbereitschaft fehlt

Im Sommer letzten Jahres hat Kanzlerin Angela Merkel gesagt, dass alle EU-Länder durch Resettlement insgesamt 40.000 Menschen aufnehmen wollen. Aber mit welchem Kontingent ist in Deutschland 2018 und in den Folgejahren zu rechnen? Das ist bisher unklar, da es lange keine neue Regierung gab, die das entscheiden konnte.
Die Vereinten Nationen sagen, dass weltweit aktuell über eine Million Menschen für Resettlement infrage kommen. Aber nur 65.000 wurden letztes Jahr durch UNO-Programme verteilt. Es finden sich einfach nicht genug Länder, die Menschen aufnehmen wollen.

Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 13.11.2019, 23:28:08