Beliebt, diplomatisch und viel unterwegs

Gepostet am 14.11.2016 um 11:57 Uhr

Das Debakel als Kanzlerkandidat scheint längst vergessen – als Außenminister ist Frank-Walter Steinmeier seit Jahren sehr beliebt. Gute Voraussetzung für ein Staatsoberhaupt. Seine Rhetorik dürfte dann aber weniger diplomatisch werden. Von S. Ueberbach.

Das Debakel als Kanzlerkandidat scheint längst vergessen – als Außenminister ist Frank-Walter Steinmeier seit Jahren sehr beliebt. Gute Voraussetzung für ein Staatsoberhaupt. Seine Rhetorik dürfte dann aber weniger diplomatisch werden.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Hauptstadtstudio

Keine Frage: Der Mann ist beliebt. Seit Monaten steht Frank-Walter Steinmeier beim ARD-DeutschlandTrend unangefochten an der Spitze. 72 Prozent der Bundesbürger sind aktuell mit seiner Arbeit zufrieden – für einen Politiker mehr als beachtlich, sogar für einen Außenminister.

Dabei ist der SPD-Mann und gelernte Jurist eigentlich ein Quereinsteiger. Sein Entdecker und Förderer heißt: Gerhard Schröder. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident macht Steinmeier 1993 zu seinem Büroleiter. Als Schröder Kanzler wird, geht Steinmeier mit und übernimmt 1999 die Leitung des Kanzleramts. An der Agenda 2010 ist er maßgeblich beteiligt. Auch Jahre später verteidigt er die umstrittenen Sozialreformen gegen Kritik: „Es ging darum, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Das, glaube ich, wird man heute sagen können, ist gelungen.“

2005 wird Steinmeier Außenminister der ersten Großen Koalition unter Angela Merkel. Eine überraschende Entscheidung. Steinmeier erarbeitet sich aber schnell einen Ruf als versierter Krisenmanager, vermittelt in vielen internationalen Konflikten.

Debakel bei der Bundestagswahl 2009

Bei der Bundestagswahl 2009 macht ihn die SPD zu ihrem Kanzlerkandidaten. „Stärke und Geschlossenheit sind Pflicht, weil unser Land uns jetzt braucht“, sagt er damals. Die Wahl wird für die SPD zu einem politischen Debakel, für Steinmeier auch zu einem persönlichen: 23 Prozent, ein Minusrekord für die deutsche Sozialdemokratie. Schwarz-Gelb regiert, Steinmeier ist als Chef der SPD-Bundestagsfraktion Oppositionsführer. Im Jahr 2010 folgt ein privater Schicksalsschlag. Seine Frau erkrankt, Steinmeier spendet ihr eine Niere und zieht sich für eine Zeit aus der Politik zurück.

2013 geht die zweite Große Koalition von unter Merkel an den Start, Steinmeier wird zum zweiten Mal Außenminister. Das Amt liegt ihm, es macht ihm Freude – auch wenn sich die Krisen häufen: Ukraine, Libyen, Irak, Syrien und, und, und. Nicht immer hat es der deutsche Chefdiplomat dabei mit angenehmen Gesprächspartnern zu tun. „Wenn ich mit allen Ländern nicht mehr sprechen würde, deren Politik wir nicht teilen, dann hätte ich in der Tat mehr Zeit, unsere prima Beziehungen zu Luxemburg zu pflegen. Das würde ich gerne machen, aber das ist deutlich weniger, als man weltweit von uns erwartet“, sagt er dazu.

Natürlich ist Steinmeier als Außenminister viel unterwegs. Pausenlos, ständig, auch in diesen aufgeregte Tagen.

„Ich muss es nicht“

Schon lange wird er als möglicher Gauck-Nachfolger gehandelt. Und selbst bei seinem Vietnam-Besuch vor gut einer Woche geht es den mitgereisten Journalisten nur um die leidige Frage. Will er nun Bundespräsident werden – oder nicht? „Das es diese Debatte gibt, ist mir auch nicht ganz verborgen geblieben. Sie müssen das kommentieren. Ich muss es nicht“, sagte er dazu. Eine typische Diplomaten-Antwort.

Ab heute darf Steinmeier gerne ein bisschen deutlicher werden. Denn eines können die Bürger von ihrem künftigen Staatsoberhaupt erwarten: klare Worte.

Porträt Frank-Walter Steinmeier: Auf dem Weg ins Schloss Bellevue
S. Ueberbach, ARD Berlin
11:33:00 Uhr, 14.11.2016

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2019, 08:52:27