Olympia-Spitzensportler in Uniform

Gepostet am 06.08.2016 um 14:06 Uhr

Mehr als ein Drittel der Sportler des deutschen olympischen Teams trägt, auch wenn man es nicht sieht, Uniform. Sie gehören zur Kaderschmiede der Bundeswehr und Bundespolizei – ausgebildet am Bundesleistungszentrum Kienbaum. Andrea Müller hat eine Ehemalige getroffen, die davon profitiert hat.

Mehr als ein Drittel der Sportler des deutschen olympischen Teams trägt, auch wenn man es nicht sieht, Uniform. Sie gehören zur Kaderschmiede der Bundeswehr und Bundespolizei – ausgebildet am Bundesleistungszentrum Kienbaum, beruflich abgesichert und optimal trainiert.

Von Andrea Müller, ARD-Hauptstadtstudio

Britta Oppelt, Spitzenruderin aus Berlin, hat ihre Sport-Karriere gerade erst beendet. Dreimal Olympische Spiele stehen in der Bilanz: Zweimal Silber, einmal Bronze – dazu Weltmeistertitel und Weltcupsiege. 2005 hatte sie sich für eine Ausbildung bei der Bundespolizei entschieden. Das war ungefähr in der Mitte ihrer sportlichen Laufbahn: “Zu diesem Zeitpunkt habe ich festgestellt, ich muss jetzt was anfangen, was ich nach dem Sport gerne machen möchte, und da habe ich die Chance bekommen, hier anzufangen.”

Hier – das ist das Bundesleistungszentrum Kienbaum bei Berlin – direkt am Liebenberger See. Trainingsgewässer für Ruderer und Kanuten – auch Leichtathleten, Schützen, Judoka und Radfahrer können hier Polizeiausbildung und Training kombinieren. Jochen Maron ist der Leiter: “Wir gestalten unsere Berufsausbildung um die optimalen Verhältnisse des Spitzensports herum. Wir haben eigenes Trainerpersonal, was die Athleten in den Ausbildungsmonaten weiter voranbringt.”

Jährlich vier Monate Training in Kienbaum

Britta Oppelt ist per Blockunterricht Polizeihauptmeisterin geworden. Die Ausbildung ist gestreckt auf dreieinhalb Jahre. Für die Sportlerinnen und Sportler bedeutet das: Vier Monate pro Jahr lernen und trainieren in Kienbaum. Am Ende kommt noch einmal ein halbes Jahr obendrauf. Dies seien anstrengende Jahre, sagt die 38-Jährige: “Mit Durchwurschteln ist nicht – man muss sich aufraffen – auch wenn es schwerfällt – im Sport geht einem auch nicht jede Trainingseinheit leicht von der Hand, da muss man sich auch durchkämpfen.”

Keine Polizisten zweiter Klasse

80 Spitzensportlerinnen und Sportler werden von der Bundespolizei gefördert. Sie sind die Besten aus den Vorschlägen der Sportverbände. Entscheidend ist, dass sie auch die Voraussetzungen für den Polizeidienst erfüllen, sagt der Chef der Sportschule, Maron. “Wir möchten also keine Polizisten und Polizistinnen zweiter Klasse hervorbringen, die dann mit dem Makel vielleicht später ihren Beruf ausüben, dass sie ja über die sportgeförderte Laufbahn in den Beruf gekommen sind.”

90 Prozent bleiben nach der Sportkarriere, sagt Maron und darin unterscheidet sich die Bundespolizei vom größten staatlichen Förderer: der Bundeswehr. Sportsoldaten werden auf Zeit verpflichtet, jeweils für ein Jahr. Militärische Lehrgänge sind Pflicht. Aber im Vordergrund steht der Sport. Andreas Hahn, Referent für den Spitzensport bei der Bundeswehr, sagt: “Wir bieten Geld und Zeit – soziale Absicherung und ein großes Zeitvolumen.”

Spitzensportler in Uniform
A. Müller, ARD Berlin
11:52:00 Uhr, 06.08.2016

Für die Soldatenlaufbahn entscheiden sich später die Wenigsten. Aber wer lange dabei bleibt, dem finanziert die Bundeswehr am Ende auch Studium oder Ausbildung. Die Ruderin Oppelt setzt ihre Karriere bei der Bundespolizei fort, hat sich aber gegen den echten Polizeidienst entschieden: “Ich mache mein Studium in Köln zum Diplom-Trainer, bin aber hier schon eingebunden ab September, wenn die Auszubildenden kommen – die Sportler, dass ich dort auch schon die Ruderer mit betreue.”

Zuletzt aktualisiert: 16.12.2017, 21:40:19