SPD, mach Dich ehrlich!

Gepostet am 15.05.2017 um 12:12 Uhr

Auch nach dem Wahldebakel in NRW gibt sich die SPD mit Blick auf die Bundestagswahl zuversichtlich. Eine Landtagswahl sei eine Landtagswahl, lautet das Mantra der Stunde. Das andauernd zu wiederholen, macht es nicht wahrer, meint Joachim Wendler.

Die Disziplin der Selbsttäuschung beherrscht die SPD immer noch großartig. Hannelore Kraft hat ihre Niederlage sinngemäß damit begründet, die SPD sei eigentlich gut, es habe nur keiner gemerkt. Eine klassische Ausrede von Wahlverlierern. Und eine Mischung aus Unsinn und Unverschämtheit.

Unsinn deshalb, weil diese rot-grüne Landesregierung vieles war, aber bestimmt nicht gut. Und Unverschämtheit deshalb, weil es statt der SPD den Wähler doof aussehen lässt. Als hätte der nicht kapiert, wie großartig seine Regierung war. Nein, das Problem der SPD war weder die Vermittlung noch die Erkenntnis der Erfolge, sondern dass es keine Erfolge gab. Brillante Selbsttäuschung ist auch Mantra, eine Landtagswahl sei eine Landtagswahl. Das andauernd zu wiederholen, macht es nicht wahrer.

Fehler eingestehen und ab nach Berlin

Für zwei Drittel der Wähler in NRW war ein wichtiges Thema, wer Kanzler ist. Für elf Prozent war es sogar das wichtigste Thema. Wenn das kein bundespolitischer Bezug ist, was dann? Darum schirmen die Sozialdemokraten ihren Martin Schulz jetzt ab wie die Bärenfellmützen die Queen. Dabei war es Schulz selber, der den Zusammenhang hergestellt hatte, wenn die SPD NRW gewinne, dann auch das Kanzleramt.

Schulz muss im Rausch gewesen sein, als er das sagte, im Rausch des Schulz-Effekts. Der ist verpufft, stattdessen wirkt wieder der Merkel-Effekt. Die Kanzlerin zog jedenfalls stärker in NRW als der Schulzzug. Die SPD muss sich jetzt dringend ihre Fehler eingestehen. Sie darf Martin Schulz nicht auf Marktplätzen und in Fischräuchereien verstecken, sondern muss ihn nach Berlin schicken.

Und sie darf nicht nur mehr soziale Gerechtigkeit versprechen, wenn die meisten und immer mehr Deutsche ihr Land für gerecht halten. Des Öfteren hat Martin Schulz inzwischen diesen Satz gesagt: „Wir gewinnen zusammen, und wir verlieren zusammen!“ Wenn die SPD sich weiter selber täuscht, reicht künftig der zweite Teil des Satzes.

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2017, 18:19:03