Olaf – nicht allein zu Hause

Gepostet am 09.06.2020 um 04:21 Uhr

Konkurrenz innerhalb der SPD-Spitze – eigentlich ein Dauerbrenner. Doch in der Corona-Krise zeigt die Partei ungewohnte Einigkeit. In den Umfragewerten profitiert sie dennoch nicht davon. Von Angela Ulrich.

Konkurrenz innerhalb der SPD-Spitze – eigentlich ein Dauerbrenner. Doch in der Corona-Krise zeigt die Partei ungewohnte Einigkeit. In den Umfragewerten profitiert sie dennoch nicht davon.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Die Telefonschalte ist verknarzt, immer hat irgendjemand das Mikro noch offen – aber diese Botschaft gleich zu Beginn ist Norbert Walter-Borjans doch ganz wichtig: „Zu einem guten Wumms gehören zwei Dinge. Das eine ist, man braucht ein gutes Mannschaftsspiel, um zum Torschuss zu kommen“, sinniert er. „Ich glaube, das ist uns gelungen…“

Der neue Wumms der SPD; so sieht das der Chef und meint mit dem Torschuss das Konjunkturpaket, das – Punkt zwei – auch noch in die Zukunft führe.

Der Wumms, dieses Bild, das gar nicht Walter-Borjans geprägt hat, sondern der einstige Konkurrent um den Vorsitz, Olaf Scholz. Aber Konkurrenz? Eigentlich ein Dauerbrenner zwischen SPD-Oberen – dieses Hauen und Stechen scheint wie weggeblasen.

„Das ist bisher schon so gewesen, dass wir sehr, sehr eng zusammenarbeiten, wir beiden Parteivorsitzenden, Herr Scholz und die anderen Ministerinnen und Minister, und die Fraktion“, sagt Walter-Borjans Co-Vorsitzende Saskia Esken dazu. „Wir sind eng abgestimmt mit Herrn Mützenich und mit Herrn Scholz.“

Selbst die Parteilinke lobt den Finanzminister

Esken, einst von Genossen als nicht teamfähig geschmäht, übt sich in Teamwork. Jeden Morgen, so heisst es aus dem Willy-Brandt-Haus, gibt es eine Telefonschalte, die organisiert der Generalsekretär.

Lars Klingbeil will vielleicht auch selbst noch einmal mehr werden, aber zieht derzeit eher hinter den Kulissen die Fäden: Er moderiert die Absprache der beiden Parteivorsitzenden mit Fraktionschef Rolf Mützenich und Vizekanzler und Groß-Geldausgeber Scholz. Dieser hat die Schwarze Null krisenbedingt beerdigt und genießt die neue Sympathie, die ihm aus den eigenen Reihen entgegenschlägt.

„Was wir jetzt zu bewältigen haben, sind schwierige Aufgaben, bei denen wir jeden Tag Entscheidungen treffen müssen, die mit vielen Unsicherheiten verbunden sind“, sagt er. „Und dann ist es schon ganz gut, wenn man merkt, dass einen viele Leute unterstützen, und dass man sich nicht allein fühlt in einer solchen Situation.“

Olaf – nicht allein zu Hause. Auch in der Parteilinken loben sie ihren Finanzminister: Geht doch, mit den Hilfsmilliarden. Scholz, der trockene Hanseat, der als Vize auf Parteitagen immer die schlechtesten Ergebnisse einfuhr, er ist jetzt obenauf.

Es ist zum Haareraufen für die SPD

Scholz kann Krise, sagen sogar einstige Kritiker. Aber für die verlässliche Kommunikation in die eigenen Reihen hinein ist weiter eher der Fraktionschef zuständig: Mützenich.

Manche hätten ihn sogar gern als Kanzlerkandidaten der SPD. Doch dafür bräuchte es erstmal einen Wumms in der Wählergunst – und der lässt weiter auf sich warten.

„Natürlich wäre es schön, wenn der Wähler, die Wählerin auch anerkennt, dass dieses Konjunkturpaket eine starke sozialdemokratische Handschrift trägt“, wünscht sich Esken. Scholz formuliert es offensiver: „Ich bin ganz sicher, dass die sozialdemokratische Partei nicht nur gerade eine großartige Arbeit leistet, sondern dass sie auch Wertschätzung bekommen wird bei den Wählerinnen und Wählern, vor allem wenn es um die Zukunft geht.“

Aber es ist zum Haareraufen für die SPD. Weiter fährt nur die Union die Erfolge des Krisenmanagements ein, vor allem die Kanzlerin Angela Merkel. Frühere Schwergewichte wie Sigmar Gabriel stänkern: Mit der Absage an Prämien für Verbrenner habe die SPD die Autobranche im Stich gelassen.

Doch das scheint abzutropfen an den führenden Genossinnen und Genossen. Die Krise hat sie geeint – mit Wumms.

SPD mit neuem Wumms? Die Krise eint die Spitzengenossen
Angela Ulrich, ARd Berlin
20:32:00 Uhr, 08.06.2020

Zuletzt aktualisiert: 23.09.2020, 04:03:00