Das Gerangel um den General

Gepostet am 20.10.2017 um 16:01 Uhr

Niedersachsen war schon immer ein guter Talentschuppen der SPD. Nun soll der junge Niedersachse Lars Klingbeil neuer Generalsekretär werden. Das finden nicht alle gut. Schließlich gibt es bei der SPD nur noch wenige Top-Jobs zu verteilen. Angela Ulrich über das große Gerangel.

Niedersachsen war schon immer ein guter Talentschuppen der SPD. Nun soll der junge Niedersachse Lars Klingbeil neuer Generalsekretär werden. Das finden nicht alle gut. Schließlich gibt es bei der SPD nur noch wenige Top-Jobs zu verteilen. Das Gerangel ist entsprechend groß.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio

Seine Arbeitstage beginnt Lars Klingbeil gern sportlich: “Ich gehe jetzt auf meine Joggingrunde einmal am Schloss Bellevue entlang, durch den Tiergarten, am Kanzleramt, und dann an der Spree zurück.” Fitness braucht der knapp Zwei-Meter-Mann – und sie schadet auch nicht im politischen Geschäft: “Ich würde jetzt nicht sagen, man muss den Ellenbogen permanent herausgefahren haben, aber man muss hier in Berlin, um zu überleben und weiterzukommen, auch signalisieren: Ja, ich bin hier und ich will was machen!”

Machen – das will Klingbeil jetzt einen der wenigen noch verfügbaren Powerjobs in der SPD: den Generalsekretär, den Parteimanager, den für die Abteilung Attacke. Problem Nummer eins: Er wäre der zweite Mann in der Parteispitze, neben SPD-Chef Martin Schulz. Einer zu viel, heißt es dazu aus der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen, die den Posten lieber weiblich besetzt haben wollen. Dass Schulz laut dpa-Informationen als Versöhnungszeichen die frühere Juso-Chefin Johanna Ueckermann gebeten hat, Bundesgeschäftsführerin der SPD zu werden, nützte nichts: Ueckermann hat abgelehnt.

Jung, männlich, Seeheimer

Problem Nummer zwei: Klingbeil gehört zum konservativen Flügel in der SPD, dem Seeheimer Kreis. Wie auch Parteichef Schulz und Fraktionsgeschäftsführer Carsten Schneider. Das ruft Bauchschmerzen bei manchen Parteilinken hervor. Und Klingbeil weiß, wie wichtig gute Beziehungen sind, in viele Partei-Strömungen hinein.

Für Klingbeil spricht, dass er jung ist, erst 39. Er gilt als kommunikativ und zuverlässig. Und steht für ein Zukunftsfeld in der Politik: Digitales. Außerdem legt sich Schulz für Klingbeil ins Zeug. Bekommt er ihn nicht durch, würde das die Autorität des Parteichefs weiter schwächen. Denn Schulz musste schon mal bei einem Personalvorschlag zurückstecken – als es um den Fraktionsgeschäftsführer ging. Dem SPD-Vorsitzenden jetzt im übertragenen Sinn eine weitere Ohrfeige zu versetzen – da zögern die Genossen.

Dazu kommt jedoch Problem Nummer drei: der Landes-Proporz. Klingbeil ist Niedersachse. Und das macht es wohl einem anderen Niedersachsen schwerer: Thomas Oppermann, der einen weiteren der raren SPD-Posten ergattern will: Bundestags-Vizepräsident. Unterstützt wird er dabei von Fraktionschefin Andrea Nahles – gegen zwei Frauen. Denn gegen Oppermann wollen Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und die bisherige Fraktionsmanagerin Christine Lambrecht antreten. Wenn Oppermann nun durchrasselt, wäre wiederum Nahles angekratzt.

Die SPD macht es sich gerade selbst schwer, ist der Eindruck. Der vielbeschworenen Geschlossenheit zum Trotz.  

Posten-Gezerre in der SPD: Die Personalie Lars Klingbeil
A. Ulrich, ARD Berlin
13:01:52 Uhr, 21.10.2017

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2017 um 19:00 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 21:56:13