Cool bleiben bei der K-Frage

Gepostet am 21.11.2016 um 19:27 Uhr

So chaotisch wie beim letzten Mal soll die SPD-Kanzlerkandidatur diesmal nicht laufen – da sind sich die Genossen einig. Aber kann die SPD wirklich bis Ende Januar warten, seit die Kanzlerin angekündigt hat, wieder anzutreten? Von S. Müller.

So chaotisch wie beim letzten Mal soll die SPD-Kanzlerkandidatur diesmal nicht laufen – da sind sich die Genossen einig. Aber kann die SPD wirklich bis Ende Januar warten, seit die Kanzlerin angekündigt hat, wieder anzutreten?

Von Sabine Müller, ARD-Hauptstadtstudio

SPD-Parteivize Ralf Stegner ist immer gut für ein knackiges Bild. Er verspricht: Diesmal wird seine Partei ihren Kanzlerkandidaten ausrufen, „ohne Sturzgeburten zu veranstalten“. Sturzgeburt – damit meint er das Trauma aus dem letzten Bundestagswahlkampf, als Peer Steinbrück in einem völlig ungeordneten Hauruck-Verfahren nominiert wurde und dieses Chaos den Ton für den gesamten Wahlkampf setzte.

Deshalb lautet jetzt das Mantra: Bloß keine Hektik. Generalsekretärin Katarina Barley sagt dazu: „Unseren eigenen Kanzlerkandidaten werden wir wie bereits angekündigt Anfang nächsten Jahres benennen – zur Klausur Ende Januar des Parteivorstandes.“ Man könnte sagen: Statt Sturzgeburt diesmal also ein planmäßiger Kaiserschnitt.

„Bleibt so cool, wie wir es in den letzten Wochen gewesen sind. Dann werden wir 2017 nicht nur den Bundespräsidenten stellen, sondern auch den Bundeskanzler“ (Sigmar Gabriel, SPD-Chef, in einer Sitzung der SPD-Fraktion laut Teilnehmern).

„Das halten wir nie im Leben durch“

Aber erst Ende Januar? „Das halten wir nie im Leben durch“, fürchten manche Genossen, bis dahin sind es ja noch zwei Monate. „Wie sollen wir es schaffen, so lange nicht zu erklären, wer für die SPD ins Rennen gegen Angela Merkel geht?“ „Selbstdisziplinierung“ ist die Antwort derer, die diesen Zeitplan für genau richtig halten. Weil man dann nicht wie von der CDU getrieben wirke und außerdem noch Zeit habe, ein paar inhaltliche Dinge festzuzurren, bevor sich nach der Nominierung alles nur noch um Personen dreht.

„Wir wollen nicht nur eine Personendebatte führen, sondern vor allem eine inhaltliche Debatte“, sagt Parteivize und Familienministerin Manuela Schwesig. Als wichtigste sozialdemokratische Themen nennt sie: Freiheit, Sicherheit, Gerechtigkeit. Führende Genossen wie der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel fordern, die Partei müsse wieder mehr nach links rücken, um Merkel schlagen zu können.

Gabriel oder Schulz?

Bleibt aber immer noch die Frage: Mit wem als Kanzlerkandidaten? Viele in Berlin glauben, das sei längst ausgemachte Sache. Der immer wieder genannte Martin Schulz wolle doch als EU-Parlamentspräsident in Brüssel bleiben, Sigmar Gabriel werde es machen. Andere schauen auf die zuletzt sehr zahlreichen Auftritte von Schulz bei diversen Parteiveranstaltungen und haben so ihre Zweifel, ob die Frage wirklich schon geklärt ist.

Klar ist allerdings eines: Spätestens mit Merkels Ankündigung haben die Genossen in den Wahlkampfmodus geschaltet – auch wenn Barley und Schwesig ihre Kritik an der Kanzlerin etwas lustlos vortragen. „Das war gestern ein ziemlich kraftloser Auftritt und man muss schon sagen, dass nach bald zwölf Jahren die Luft bei Frau Merkel offensichtlich raus ist“, sagt Barley.

Und Schwesig erklärt: „Ich glaube, dass Frau Merkel ihr Verdienste hat, dass sie aber nicht mehr für die Zukunft steht.“ Aber gut: Wer immer versichert, dass man die zehn Monate bis zur Bundestagswahl noch gut mit der Union zusammenarbeiten will, der darf auch nicht zu früh zu fest draufhauen.

Sturzgeburt oder geplanter Kaiserschnitt? Die SPD nach Merkel
S. Müller, ARD Berlin
17:58:00 Uhr, 21.11.2016

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. November 2016 um 15:01 Uhr

Korrespondentin

Sabine Müller

Sabine Müller
Hörfunkkorrespondentin

Der Bericht aus Berlin

ARD-Hauptstadtstudio

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2019, 22:33:49