Die Spitze der Linkspartei: Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht, Katja Kipping, Dietmar Bartsch. Foto: Imago/IPON

Souverän geht anders

Gepostet am 18.10.2017 um 11:56 Uhr

Nach dem gestrigen Streit der Linken-Spitze bleibt die Frage: Warum müssen sich linke Vollblut-Politiker immer öffentlich zerfleischen? Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner.

Größer hätte die Diskrepanz gar nicht sein können. Draußen schien die Spätsommersonne über dem Templiner See, drinnen blickte man in verdunkelte Mienen bei Wagenknecht, Kipping und Co. Und mitten drin verschreckte Neulinge in der Linken-Fraktion, die sich fragen, wo sie denn um Himmels willen hingeraten sind. Die Szene bei der nächtlichen Pressekonferenz, als Sahra Wagenknecht dem verdatterten Parteichef Bernd Riexinger in die Parade fuhr, ihm quasi den Mund verbot, steht da für sich.

„Souverän geht anders“ giftet Parteichefin Katja Kipping Richtung Sahra Wagenknecht. Und sie hat Recht. Aber das gilt nicht nur für Wagenknecht, sondern für die gesamte Linken-Fraktion. Klar, sie muss sich erst mal finden in der neuen Rolle. Eine kleine Fraktion im Bundestag, nix mehr mit Oppositionsführerin. Überholt von der AfD, die den Linken im Osten 400.000 Wähler abgeworben hat. Sie muss auch Antworten finden auf das Problem der vielen unterschiedlichen Wählergruppen, die sie bedienen muss. Vielfalt kann ein Fluch sein. Was urbane Hipster anspricht, stößt ostdeutsche Landbewohner ab.

Das Streitthema Flüchtlinge und Flüchtlingsschutz ist da ein Paradebeispiel. Widerwillig hatte Wagenknecht die liberalen Aussagen des Wahlprogramms mitgetragen. Doch ihre Zurückhaltung fand mit dem Wahlabend ein Ende – als klar war, dass die Linke nur leicht zulegen konnte und dass das Ergebnis gerade mal für Platz fünf im Bundestag reichen würde. Wagenknechts Ehemann Oskar Lafontaine teilte via Facebook kräftig aus. Und das setzte einen scharfen Ton, mit dem es eine Machtprobe in der Führungsriege geben musste.

Wagenknecht drohte mit Rücktritt und stand am Ende als Siegerin da. Hat sich also erst mal durchgesetzt. Zurück bleibt ein schaler Geschmack im Mund und die kopfschüttelnde Frage: warum nur finden linke Vollblut-Politiker keinen anderen Weg als dieses Sich-öffentlich-Zerfleischen? Eine Empfehlung für konstruktive Oppositionsarbeit, mit der die Linke der künftigen Regierung auf die Finger schaut, ist das nicht.

Zuletzt aktualisiert: 04.12.2020, 00:27:49