Sollten die Bauern Hilfe vom Staat bekommen?

Gepostet am 31.07.2018 um 17:22 Uhr

Die extreme Hitzephase hält weiter an. Für die Bauern bedeutet die damit verbundene Trockenheit eine schlechte Ernte, und manch Landwirt muss angesichts der Ernteverluste sogar um seine Existenz fürchten. Matthias Reiche kommentiert.

In der Theorie scheint die Sache klar. Auch in der Landwirtschaft wirken die Mechanismen des Marktes und der sorgt dann schon über höhere Preise für einen Ausgleich der Verluste. Und wenn nicht, gehört das nun einmal zum unternehmerischen Risiko. Natürlich sind die Einbußen, die Bauern in diesem Sommer erleiden, nicht auf unternehmerische Fehlentscheidungen zurück zuführen, sondern auf höhere Gewalt. Aber auch diese gehört seit jeher zu den Risiken des Unternehmertums.

Außerdem würden Sonderhilfen für die Bauern einen wirtschaftspolitischen Präzedenzfall schaffen, warnen nicht wenige Experten, so als habe es niemals eine Abwrackprämie gegeben, um der stagnierenden Autoindustrie beizuspringen.

Ausgleich für kleine und mittlere Betriebe?

Wenn man ein wenig zum Nachdenken neigt, wird man zu dem Schluss kommen, dass zumindest kleine und mittlere Landwirtschaftsbetriebe, die kaum noch Rücklagen haben, einen Ausgleich für ihre Ernteeinbußen erhalten sollten. Auch weil sich die Landwirtschaft nur bedingt mit anderen Branchen vergleichen lässt.

Die Arbeitsbedingungen können ohne weiteres als überaus hart bezeichnet werden, der Lohn steht immer erst ein Jahr später fest und der Preisdruck wird seit Jahrzehnten immer heftiger. Gleichzeitig sorgen die Bauern dass die Menschen etwas zu essen haben, weshalb ihr Gewerbe ganz sicher systemrelevant ist und in der jetzigen Krise besondere Unterstützung verdient. Denn niemand kann ernsthaft bezweifeln, dass vor allem im Norden und Osten Deutschlands die Situation dramatisch ist.

Nur ein Bruchteil der üblichen Mengen

Allein beim Getreide liegen die Verluste bei etwa 1,4 Milliarden Euro, der Mais ist teilweise nur dreißig Zentimeter hoch, gravierende Ernteverluste gibt es auch beim Raps ebenso bei Zuckerrüben und Kartoffeln. Das Futter auf den ausgedörrten Wiesen wächst so schlecht, dass oftmals nur ein Bruchteil der üblichen Menge geerntet werden kann, und das für den Winter vorgesehene Heu bereits jetzt verfüttert wird. In einigen Bundesländern gibt es bereits Liquiditätshilfen und werden zusätzliche landwirtschaftliche Flächen für die Viehzucht bereitgestellt.

Denn normalerweise sind für Hilfen bei extremen Wetterphänomenen die Länder zuständig. Doch die sind diesmal überfordert. Deshalb muss schnell geklärt werden, ob der Notstand ausgerufen wird, und damit die gesetzliche Grundlage gegeben ist, dass der Bund Gelder zur Verfügung stellen kann.

Eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat bereits ein gewisses Verständnis angedeutet, doch kann sich davon noch kein Landwirt etwas runter beißen. Denn die CDU-Politikerin will erst mal auf das Erscheinen des bundesweiten Ernteberichts Ende August warten, was den Bauern ebenso wenig hilft wie die Forderung einiger grüner Agrarpolitiker eventuelle Soforthilfen für die Landwirte an klimaschonende Maßnahmen und ein grundsätzliches Umsteuern in der Landwirtschaft zu koppeln. Denn dies ist nicht allein die Aufgabe der gerade um ihre Existenz bangenden Bauern, sondern eine der gesamten Gesellschaft.

So könnte die Politik beispielsweise finanzielle Anreize für die Reduzierung von gehaltenen Tieren setzen. Denn die Massentierhaltung trägt nachweislich zum Klimawandel bei, weil sie Methangas produziert und Wasser im Übermaß verbraucht. Wer allerdings zu Billigst-Preisen Fleisch haben will, kann nur industriell produziertes bekommen, weshalb auch die Verbraucher gefragt sind.

Das Ziel sollte jedenfalls sein, die Agrarförderung langfristig so umzustellen zu können, dass der klimafreundliche, ökologische Landbau stärker als der konventionelle belohnt wird.

Zuletzt aktualisiert: 16.08.2018, 09:58:03